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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Faulbaum.

zweite wird kaum halb so stark. Im Durchschnitt ist der Futter-werth dieser Pflanze 10 Procent höher als vom Klee oder Luzerne;also 1 Centner Wiesenheu sind gleich 90 Pfund Esparsettheu oder400 Pfd. der grünen Pflanze. Die grüne Esparsette hat 75 Pro-cent Feuchtigkeit.

Faulbaum, der gemeine Spindelbaum.

IL klirrn

Gehört in die Iste Ordnung der 5ten Klasse. Gattungskenn-zeichen: der Kelch ist röhrenförmig; die Krone besteht in 5 kleinen,innerhalb des Kelches sitzenden Schuvpen, welche die Staubgefäßeumgeben, die Frucht ist eine Beere. Seinen Namen hat dieser Baumwahrscheinlich von dem unangenehmen Gerüche, welchen mehr oderweniger alle Theile desselben haben. Die dunkelbraune Rinde hatweiße Punkte und unter ihr befindet sich eine weiße Safthaut vonwiderlichem Gerüche. Die abwechselnd sitzenden Blätter entspringennicht aus schon vorher bemerkten Knospen, sondern kommen aus denEnden und Seiten der Zweige hervor; sie sind eilanzetförmig undglattrandig, 24 bis 3 Zoll lang und 14 bis 2 Zoll breit. Diegrünlich weißen Zwitterblüthen stehen einzeln an den jungen Trieben;sie erscheinen vom Mai an bis im Herbst und die erbsengroßen, erstrothen, bei der Reife im Herbste aber schwarzen, den Wacholderbee-ren ähnlichen, Früchte enthalten 2 platte, herzförmige Fruchtsteine.Das weiche, gelbliche Hol; wird im Alter röthlich.

Obgleich der Faulbaum keinen Anbau in den Forsten verdient,so findet man ihn doch ziemlich häufig in Deutschland in Wäldernund Erlengebüschen. Dieser Strauch wächst in feuchtem, selbst nas-sem Stande, welcher humusreich ist, am liebsten, erträgt Beschattung,obwohl er sie gerade nicht bedarf. Sonst nimmt er im Garten fastmit jedem Standorte verlieb, und kann sowohl durch Saamen, derim Herbste ausgesäet wird und die kräftigsten Pflanzen giebt,wenn der bearbeitete Boden gegen zu üppigen Graswuchs geschütztwird, als durch Wurzelsprossen, Ableger und Schnittlinge vermehrtwerden. Das Holz des Faulbaums ist besonders- sebr gesucht zurKohle für die Pulverbereitunq, da solches das leichteste und feinsteMaterial dazu liefert; der Abhieb dazu wird in der Saftzeit vorge-nommen, um es schälen zu können. Ein 12 bis 18jähriger Umtriebist dazu am vortheilhaftesten. Sonst benutzen auch die Tischler undDrechsler das im Kern gelbe und rothbraunc, glatte, leichte Holzzu feinen Arbeiten.

Die bitterliche Rinde enthält viel Färbestvff; an sich schonfärbt sie die Wolle gelb, mit Zusätzen schöner, mit Birkenblätterngrün, mit andern Zusätzen aber schon gefärbte Zeuge röthlich, braun,violet, roth. Wird die Rinde in Aschenlauge macerirt, die Flüssig-keit dann mit den Zeugen in einem Kessel erhitzt, jedoch nickt biszum Kochen, so kann man krapproth damit färben. Die innereRinde wurde sonst als Purgirmittcl in der Medicin angewendet,und dient noch jetzt im Aufguß bei Verstopfung des Rindviehes.