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Flachs oder Lein.
Eine so zur Genüge bekannte Pflanze, als die Ueberschrift diesesArtikels anzeigt, in Form und Gestalt zu beschreiben, dürfte über»flüssig erscheinen.
Man unterscheide! 3 Arten Lein. 1) den gewöhnlichen, 2) denStaudenlein, 3) den ausdauernden Lein. Nur die erste Art hat fürden Landwirth Deutschlands Hauptinteresse.
Die Erzeugung des Flachses als Spinnmaterial zerfällt in 2Theile, in den Flachsbau und die Flachsbereitung.
Der Flachssaamen bleibt 4 — 5 Jahre keimfähig.
Das specifische Gewicht des Saamens ist, 1,163. Ein preuß.Scheffel wiegt 80 Pfund.
Beim Flachsbau ist das Klima fast noch wichtiger als der Bo-den, weil der Flachs ein mehr feuchtes Klima und einen ungehin-derten Luftzug verlangt. Daher findet man auch in den nördlichenKüstenqegenden Deutschlands und in den an hohe Gebirge anstoßen-den Mittelgebirgen, so wie in den mit vielen Flüssen, Seen undTeichen durchschnittenen Ebenen, wo das Klima mehr feucht ist unddie zu starke Einwirkung der Sonnenhitze durch stete Wolkenzügegemildert wird, und wo auch immer der erforderliche Luftzug statt-findet, den besten und einträglichsten Leinbau. Im höher» Gebirgeverursacht der oft zu- plötzliche Wechsel der Temperatur mancherleiNachtheile, und die sehr eingeschlossenen Thäler, wo der Luftzug ge-hindert wird, sind zum Anbau des Flachses ebenfalls nicht passend.Auch solche Gegenden in den Ebenen, die von Sümpfen und Wäl-dern umgeben werden, wo sich viele Nebel, die zum Theil schädlichsind, entwickeln und späte Reife veranlassen, sind dem Flachsbaunicht zuträglich, oder er ist dort einem häufigen Mißrathen unter-worfen. In Beziehung auf den Boden ist der Flachs genügsamer,da er selbst im Sandboden wächst, wenn dieser genugsam feucht undin guter Düngung erhalten ist. Besser und sicherer geräth er aberfreilich in einem lockern, lehmigen Boden, der aber an und für sichfruchtbar und stets gedüngt sein muß. Wenn der Boden mit klei-nen Steinen durchmenqt ist, so sind diese dem Gedeihen des Flach-ses nicht hinderlich, sie fördern vielmehr unter manchen Umständendas Gedeihen, da sie den Boden locker, feucht und kübl erhalten.Im magern Boden erhält man niemals einen lohnenden Ertrag vomFlachse, da derselbe, da er in der Regel nickt geräth, kurz bleibt, vielAeste bekommt und mehr Werg als Flachs giebt. Der Unterschiedin den Arbeitskostcn bei einem guten und einem schlechten Flachsebeträgt nur wenig und daher hat man, da letzterer ungleich wohlfeilerist, vom Anbau des Flachses in ungeeignetem Boden nur Nachtheil.Etwas Kalk und Mergel im Boden verträgt der Flachs, dock wirder in einem sehr kalkigen Boden nicht vorzüglich. Obgleich der Flachsauch in einem Boden mit seichter Krume gedeiht, so ist doch seinErtrag in einer tieferen sicherer. Ein scharfer, kiesiger, so wie einzu schwerer Boden sind dem Flachsbau nicht zuträglich, er bleibt imersteren zu sehr zurück und im letzteren iß sein Gerathen deshalb