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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Flachs oder Lein.

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sehr ungewiß, da ein solcher Boden sich sehr leicht zu fest schließt,wodurch das Wachsthum des Flachses gehindert wird, was um sonachtheili'ger ist, da der Flachs nur eine kurze Wachsthumsperiodehat. Auch ist das Raufen des Flachses auf solchem Boden erschwert,und derselbe reißt,»wenn er dünnhalmig ist, eher ab, als er mit derWurzel herauszubringen ist. Nur bei stets mäßig feuchter Witterung,die einen solchen Boden locker erhält, gewährt der Flachs auf dem-selben einen guten Ertrag. Torf- und Moorboden sind dem Flachsenicht zuträglich, so wie ihm auch saurer Boden nachtheilig ist. EinBoden, welcher ein Paar Procent Bittererde enthält, ist dem Flachs-bau besonders zuträglich. Außerdem hat man bei dem zum Flachs-bau bestimmten Boden noch darauf Rücksicht zu nehmen, daß manzum Flachsbau keinen zu sehr verunkrauteten Boden wählt, weilsonst durch das nöthige viele Jäten die Kulturkosten sehr vermehrtwerden, und daß man den Flachs nicht auf nach Mittag abdachen-den und den Einwirkungen der Sonne zu sehr ausgesetzten Abhängenbaut, weil der Boden in dieser Lage zu sehr austrocknet und dieviele Sonne dem Flachsbau nicht Vortheilhast ist. Am zuträglichstenist dem Lein kräftiger Neudruck); sonst kann man als Regel anneh-men, daß derjenige Boden, welcher sich, wenn er ungerührt bleibt,sehr bald mit einer dichten Narbe von kurzem Rasen überzieht, zumFalchsbau ganz besonders geeignet ist.

Düngung. Der Flachs giebt, im frischen Mist gebaut, zwarbessern und mehr Leinsaamen, wird länger und starkhalmiger, liefertaher schlechteres, gröberes und spröderes Bast. Auch steht der infrischer Düngung gebaute Flachs gewöhnlich ungleich, ein Theil wirdzu starkstenglich und ästig, der andere zu dünn, wodurch eine Un-gleichheit im Rösten und viel Abgang erfolgt. Außerdem kommt mitdem frischen Miste zugleich eine Menge Unkrautgesäme in den Boden,welches keimt und das Jäten vermehrt. Sind jedoch die Verhält-nisse von der Art, daß man zum Düngen seine Zuflucht nehmenmuß, so wähle man dann einen zergangenen Rindermist, bringe die-sen im Herbste auf, lasse ihn, wenn das Feld eben ist, ausgebreitetliegen und pflüge ihn im Frühjahre unter. Der Boden wird unterder Mistdecke mürbe, ^vas dem Flachse sehr zuträglich ist; doch erhälter nie die Güte, als der in einem kräftigen, nicht frisch gedüngtenBoden erbaute. Dagegen ist die Düngung mit gefaultem Teich-schlamm und Compost dem Flachse zuträglich; und getrockneter undgepulverter Hühnermist, so wie Asche, nach der Saat über das Feldgestrcuet, sagt dem Flachse ganz besonders zu. Die Kalkdüngung istzwar in sofern dem Flachsbau zuträglich, als nach ihr weniger Un-kraut wächst und mithin das Jäten erleichtert wird; doch soll siedem Gedeihen und der Güte des Flachses nicht zuträglich sein. Ambesten sagt dem Flachse die Düngung mit Rückständen von Pflanzenund die grüne Düngung zu. Er geräth daher in Neudruck) mit ei-ner dichten Grasnarbe, in gut bestandenen Weideschlägen, oder wennder Klee, nachdem er bis zu einer gewissen Höhe herangewachsen,umgepflügt worden ist, ganz vorzüglich. In den Niederlanden