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Flachs oder Lein.
findet man hier und da sm Gebrauch, das zu Lein bestimmte Landmit kurzem Mist zu überstreuen und es bis zum zweiten Frühjahreungerührt liegen zu lassen, wo dann die sich bildende starke Gras!narbe umgepflügt und der Lcinsaamen eingesäet wird. Es wird aufdiese Weise der feinste Lein zu Spihengarn erzielt und dort sehrtheuer bezahlt. Bei uns jedoch dürfte ein solches Verfahren nichtlohnend erscheinen. —
Fruchtfolge. Nach manchen Vorfrüchten geräth der Flachsnicht sonderlich, nach andern aber ganz vorzüglich, nach ihm selbstaber schlagen fast alle Gewächse mehr oder weniger zurück; was na-mentlich daher kommt, daß der Flachs, da er mit der Wurzel aus-gerauft wird, dem Boden keine Stoppeln und Wurzeln zurück läßt,welche nach der Verwesung den nachfolgenden Früchten zur Nahrungdienen könnten; ferner, daß er, da er wenig Blätter treibt, nur wenigNahrung aus der Luft zu ziehen vermag. In lehmigem Boden,der zum Verrascn geeignet ist, und in feuchtem Klima wird derRückschlag weniger bemerklich, als in einem sehr lockeren Boden, wosich selbst im Frühjahre nach der Erndtc das Flachsfeld vor den an-dern dadurch auszeichnet, daß es am wenigsten berufet ist. J,n All-gemeinen ist darauf zu sehen, daß man den Flachs nur nach solchenGewächsen bringt, welche die Kraft des Bodens nicht zu sehr aus-laugen und nach denen er locker und möglichst rein von Unkrautist. Gewöhnlich folgt der Flachs als zweite Frucht nach einerfrischen Düngung, in manchen Gegenden aber auch erst als zweiteund dritte, nach Maaßgabe der Kraft des Bodens. Der Flachsgedeihet gut nach Rübsaamen, Raps, selbst wenn man vor dem Flachsnoch eine Gemengfrucht bringt, Klee, Hanf, Taback, Kartoffeln undallen andern behackten Früchten, wenn für sie frisch gedüngt wordenist; auch nach Roggen, wenn der Boden gut für ihn zugerichtet undfrisch gedüngt worden war und er gehörig dicht gestanden hat. Ha-fer, in frisch gedüngtes und gut zubereitetes Land gcsäet, ist ebenfallseine gute Vorfrucht des Flachses. Zu den nicht günstigen Vorfrüch-ten sind zu rechnen: Erbsen, Weizen und Gerste. Nach dem Flachseschlagen Weizen und Gerste am meisten zurüH, minder Buchweizen,Hafer, Roggen und Hülsenfrüchte, wenn frisch gedüngt wird. Inmanchen Gegenden säet man den Klee unter den Flachs, und erkommt in mehr kundigem Boden recht gut fort, obschon nicht sogut als nach andern Gewächsen, besonders leidet er mehr bei ungün-stiger Witterung im Winter. Am gewöhnlichsten werden nach FlachsRoggen und Hafer gebaut, und wird zu letzterem vor Winter gehö-rig tief gepflügt, so giebt er immer einen guten Ertrag, nach seinerAberndtung bildet sich bald wieder eine Nasennarbe, und er dürftedaher die geeignetste Frucht sein, welche man nach Flachs folgen läßt.Auf sich selbst darf der Flachs in einem gewissen Zwischenraum nichtfolgen, wenn er nicht merklich zurückschlagen soll, und man nimmtdenselben nach Maaßgabe der Verschiedenheit zu 5 bis 12 Jahrenan. Doch giebt es auch Bodenarten, wo der Flachs viel öfter aufeinander gefolgt ist, ohne zurückzuschlagen.