Flachs oder Lein.
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Zubereitung des Bodens. Diese ist theils nach dernatürlichen Beschaffenheit des Bodens, theils nach dem Zustande, inwelchem er sich* nach der Vorfrucht befindet, verschieden. Der Bodenmuß zum Lein, so wie zu allen kleine Saamen enthaltenden Gewächsen,gut gelockert werden. Es ist aber auch bei Zurichtung desselben zu-gleich ganz besonders auf Vertilgung des Unkrautes zu sehen, dadieses den Flachs sehr beeinträchtigt und die Kulturkosten durch vie-les und wiederholtes Jäten vermehrt. Gewöhnlich wird der Bodenzu Flachs mit 3 Furchen bestellt. Man stürzt den Acker im zeitigenHerbste flach, damit das Unkraut aufsprossen kann, eggt ihn imnächsten Frühjahre, rührt mit dem Hacken, sobald der Boden begrüntist, eggt die Hackfurche gut ein, und pflügt dann, wenn der Bodenwieder gehörig begrünt ist, zur Saat. Wo aber der Boden durcheine dreifurchige Bestellung zu lose und pulverig wird, und zu sehraustrocknet, da darf man nur eine zweifurchige Bestellung erfolgenlassen; man stürzt dann im Herbste mit dem Pfluge, eggt im Früh-jahr und pflügt zur Saat. Wenn ein Boden nicht so sehr verun-krautet ist, mag ein« solche Bestellung bei einer lockern Beschaffenheitdesselben wohl hinlänglich sein; im entgegengesetzten Falle ist es aberdann besser, keinen zu bauen. Man hat aber auch Bodenarten, woeine dreimalige Bearbeitung zum Flachs nicht hinreicht; und Boden-arten, welche die Eigenschaft haben, sich nach der Bearbeitung imFrühjahre sehr kloßig zu zeigen, müssen vor Winter zugerichtet wer-den, wo der Frost die Klöße auseinander treibt. Bei andern bindi-gen Bodenarten wieder, welche die Eigenschaft besitzen, bei einermchrfurchigen Bestellung zu locker zu werden, bei eintretender Nässezusammenzuschlämmen, dann aber wieder bei eintretender Trocknißauf der Oberfläche zu einer harten Kruste zusammenzubacken, hatman darauf zu achten, daß dem Flachse eine solche Vorfrucht voran-geht, welche den Boden in einen genugsam mürben Zustand hinter-läßt, indem in diesem Falle der Flachs in einem mürben Bodenbesser gerätb, als in einem zu gepulverten. Nach behackten Früchtenkann der Flachs mit einem einmaligen Pflügen, und zwar Saat,bestellt werden, was auch der Fall sein kann, wenn man ihn in ei-nen Neudruck oder altes Grasland bringt, vorausgesetzt, daß nichtzu starkes Wurzelunkraut und Steine einem regelmäßigen Pflügenhinderlich sind. Auch darf hierbei die Rasennarbe nicht zu tief ver-graben werden, damit sie als Düngung den Wurzeln zu gute kommt,obwohl die Furchen vollständig umgelegt werden müssen. Bessererfolgt das Umpflügen im Herbste, indem man dann den Acker inrauher Furche liegen läßt, wo ihn der Frost um so mürber macht.Uebrigens haben die Wurzeln des Flachses eine sehr große Lebens«thätigkeit, besonders die Rasennarbe zu zersetzen und als Nahrunganzueignen. So wie der Neubruch und das Grasland, kann auch derKlee mit einer Furche zum Flachse umgepflügt werden, sobald derselbenämlich dicht gestanden hat. Ob nun zwar gleich die Wurzeln desFlachses ziemlich tief eindringen und auch die Nahrung aus derTiefe ziehen, so wird es dennoch räthlich, den Boden, namentlich im