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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Flach« oder Lein.

Frühjahre, nicht zu tief. zu bearbeiten, sondern vielmehr bei der Bor.frucht des Flachses auf eine erforderlich tiefe Bearbeitung Rücksichtzu nehmen.

Saame. Das günstige Ergebniß des Leinbaues hangt mehr,als bei einem andern Gewächs, von einem vollkommenen Saamen ab.Wird er immer aus demselben Saamen erzeugt, so nimmt er immermehr die Neigung an, kurz, blättriq und ästig zu werden und eineKrone zu treiben, wodurch das Bast grob und kurz wird und mei-stens unter die Breche fällt. Die Eigenschaften eines guten Lein-saamenS sind: er muß goldgelb oder hellbraun von Farbe, voll, ölig,klein- und gleichkörnig sein; seine Spitzen müssen sich ein wenigkrümmen und der Kern grüngelblich aussehen; er muß sich an dieFinger hängen und fettig anzufühlen sein, frischen Geruch und safti-gen Geschmack haben. Großkörniger Saame, der mehr breit unddick als länglich ist, taugt nichts, er ist von einem ausgeartetenFlachse. Den nöthigen Wechsel des Saamens bewerkstelligt mandurch den sogenannten Tonnenlein. Der Ausartung, die auch dieserSaame erleidet, wird in etwas vorgebeugt, wenn man ihn mehrereJahre alt werden läßt, ehe man ihn zur Saat verwendet. Um gutenSaamen zu erzielen, muß man auf gutes und feines Bast verzichten.Der russische Tonnenlein giebt, wenn er bei uns das erste Mal ge-säet wird, stets gröberes und härteres Bast, als der von ihm gewon-nene Saame, wenn er mehrmals gesäet wird. Beim ersten MalAussäen des russischen Tonnenleins ist anzurathen, denselben dünneauszusäen, damit er mehr Saamenknoten treibt. Bon dem erzeugtenSaamen säet man einen Theil im nächsten Jahre, den andern hebtman auf, und hat man dessen so viel, daß er 3 Jahre zur Saatlangt, so kann man um so gewisser auf eine gute Flacbserndte rech-nen. Bon dem Saamen der zweiten Aussaat des russischen Leinssäet man so viel, als man zum jährlichen Saamenbedarf braucht,dünner, um wieder Saamen zu gewinnen, so daß man stets 3jähri-gen Saamen hat. Man kann sich auf ähnliche Weise auch so ein-richten, daß man 4, 5 und 6jährigen Saamen bekommt, wodurchman dem Ausarten auf um so längere Zeit vorbeugt. Sobald manbei dem Flachse einen Rückschlag bemerkt, ohne ihn anderweitigenUrsachen zuschreiben zu können, so war der Saame zu lange gesäet,und man muß denselben wechseln. Bei der Saamenerzeugung selbstsind folgende Regeln zu beobachten: Man wähle einen kräftigen,selbst frisch gedüngren Boden; man säe dünn und lasse den Saamenvollkommen reif werden; man trockne die Stengel und Saamenkap-seln in freier Luft, ohne daß sie sehr mit dem Boden in Berührungkommen, damit sie nicht schwitzen, der Saame sich nickt brenne undeine braune Farbe bekomme; und endlich nekme man das Enthülsenbei trockener Witterung vor, oder, wenn diese nicht stattfindet, sorgeman für gehöriges Abtrocknen der Knoten vor dem Dreschen. Dergut gereinigte und getrocknete Saame wird in Tonnen aufbewahrt,und im März, wo sich bei allen Sämereien LebenSthätigkeit zeigt,auf dem Schüttboden dünn aufgeschüttet und oft umgerührt. Man