Buch 
Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
Entstehung
Seite
79
JPEG-Download
 

Flach» oder Lein.

79

kann den Ertrag an Saamen, vorausgesetzt, daß der Lein dünn auS-gesäet und der Saame vollständig reif geworden ist, bis 15 undmehr berliner Scheffel auf den magdeb. Morgen annehmen. Manempfiehlt auch, den Leinsaamen, um ihn zu verbessern, bei mäßigerWärme in dem Backofen zu trocknen; doch ist hierbei, zu Erhaltungder Keimfähigkeit, Vorsicht nöthig. Von den verschiedenen Sortendes Tonnenleins verträgt der Seeländische eine frühe Saat, undgiebt im kräftigen Boden zwar schlechten Saatlein, aber langen undweichen Flachs. Der Libauer Tonnenlein nimmt mit einem mehrlosen und sandigen Boden verlieb, gedeiht aber in bindigem Bodennicht, wo hingegen der Windauer Tonnenlein nur in schwerem Lehm-boden, und der Rigaer in feuchtem Boden bei einem kühlen Klimadas beste Fortkommen findet.

Aussaat. Die Zeit der Aussaat ist im Gebirge, wie im nie-dern Lande, verschieden, und der Lein wird bald früher, bald spätergesäet. Da es fast überall die Erfahrung bestätigt hat, daß ein paarTage Unterschied in der Saatzeit einen sehr großen Einfluß auf dasGerathen oder Mißrathen des Flachses haben, so ist es sehr anzura-then, mehrere Saaten zu machen; denn geräth die eine Saat nicht,so geräth doch die andere, und selten mißrathen alle. Zur Aufnahmedes Saamens ist ein etwas feuchter Zustand des Bodens erforderlich,damit derselbe schnell und gleichmäßig aufgehe; ist der Boden zutrocken, so vermälzt der Leinsaamen leicht, geht ungleich auf undgiebt schlechten Flachs. Auch ist es räthlich, die Saat nicht in frischgepflügtes Land zu bringen, sondern dasselbe vor der Saat sich gehö-rig setzen zu lassen. Das Aussäen des Abends, um die Saamender Einwirkung des Thaues zu überlassen, ist zu empfehlen; vermu-thet man jedoch Nebel, so muß es unterbleiben. Der Leinsaamenbedarf nur einer seichten Erdbedeckung, wünscht aber eine möglichstgleiche Vertheilung der Saat. Was die Stärke der Aussaat anbe-langt, so kommt es hierbei, vorausgesetzt, daß der Saame gut ist,daraus an, ob man guten Saamen, Saamen und Flachs oder nuri Flachs, ohne Rücksicht auf den Saamen, erzeugen will. Im ersten

l Falle ist eine Aussaat von 12 bis 16 Metzen auf den Morgen, im

l zweiten 20 bis 24 Metzen hinreichend, im letzten Falle kann man

aber bis 3 Scheffel und darüber auf den Morgen säen. Bei eineri so starken Aussaat wird aber in kräftigem Boden bei günstiger Mit»

, terung der Flachs so dünnhalmig wachsen, daß er gestützt werden

l muß, wovon weiterhin. Ob sich übrigens ein solches Verfahren be-

- zahle, muß sich jeder Flachsbauer selbst berechnen. Betreibt man

, den Flachsbau hauptsächlich nur für den Hausbedarf, so daß nur

> nebenbei einiger verkauft wird, so wird die Saamengewinnung ein

, nicht unwichtiger Gegenstand. Bei einer Aussaat von berliner

e Scheffel wird man zwar nur mittelfeines Bast, aber eine nicht un-

r beträchtliche Saamenerndte erzielen, wenn man wenigstens den größ-

, ten Theil des Saamens reif werden läßt, bevor man den Flachs

, rauft. Wo es aber vornämlich auf Bastqewinnung abgesehen ist,

i wird man sich bei einer Einsaat von 3 Scheffeln am besten stehen.