80
Flachs oder Lein.
Der dünn gesäete Flachs, dessen Saamen man reif werden läßt,erschöpft den Boden weit mehr, als der dicht gesäete, wenn er vorvollendeter Saamenreife gerauft wird. Ucberhaupt ist aber demFlachse nicht eine so große Kraftaussaugung des Ackers zuzuschrei-den, als man gewöhnlich zu thun pflegt, und es dürfte derselbein seinem nur sehr kurzen Leben weniger Kraft, als eine Sommer-frucht, dem Acker entnehmen, ob er gleich, wenn er.gerauft wird,dem Acker keine Stoppeln zurückläßt und seine Blätter wenig atmosphä-rische Nahrung aufnehmen mögen. Die Ursache, daß die unmittelbarnach ihm folgenden Früchte mehr oder weniger zurückschlagen, liegtnicht allein in dem Aussaugen desselben, sondern weit mehr in demungünstigen, mechanischen Zustande des Ackers, in welchem die Flachs-erndte denselben verläßt, was um so auffallender wird, wenn Win-terung nach ihm folgen soll.
Behandlung des Flachses während der Vegeta-tion. Unter günstigen Umständen geht der Lein den 5ten bis 7tenTag auf, unter ungünstigen aber oft erst in 8 bis 14 Tagen; kommter auch dann noch nicht, so ist anzurathen, eine neue Saat vorzu-nehmen. Ist das Aufgehen durch von Regengüssen zusammenge-schlämmtem Boden erschwert, so zerbreche man die harte Kruste aufder Oberfläche entweder durch eine mit kurzen, stumpfen, hölzernenStacheln versehene Walze, oder, indem man eine Sckafheerde dar-über hintreibt. Ist der Boden sehr aschig, und kommt unmittelbarnach der Saat ein starker Regenguß, so werden die flachbedecktenLeinsaamen herausgespült, bleiben oberflächlich liegen und werdenentweder eine Beute der Wöge! oder vermälzen. In diesem Fallemuß noch einmal gesäet werden. Ueberhaupt gehört aber eine zutrockene Witterung so wie der Erdfloh zu den Hauptfeinden deSFlachses, und es sind diese oft allein die Ursachen einer unvollkom-menen Erndte. Zur Abhaltung des Erdflohes von der jungen Lein-saat empfiehlt man, dieselbe mit Gvps, Asche oder Taubenmist zuüberstreuen, oder den Saamen in Bier einzuweichen, oder denselbenkurz vor der Aussaat mit Knoblauch zu vermengen. Auch der Reit-wurm fügt der Leinsaat nickt unbeträchtlichen Schaden zu; man em-pfiehlt, ihn durch das Einstecken grüner Ahorn- oder Hollunderzweigein die von ihm gemachten Gänge, oder auch durch einige Tabacks-pflanzen zu vertreiben. Die Nögel sind durch Vogelscheuchen abzu-halten. Ein nicht minder gefährlicher Feind des Flachses ist dasUnkraut, vornämlich der Leindotter, das Klebkraut oder Klebrich,der Hedrick, die gelbe Wucherblume und am meisten die Flachsseide,auch Teufelszwirn genannt. Diese letzte Schmarotzerpflanze umspinntnicht nur die Flachsstengel, sondern sie schlägt auch ihre Wurzeln indieselben ein und entricht ihnen die Säfte, so daß sie vertrocknen.Wenn auch dieses Unkraut sich zwar eben nicht sehr häufig findet,so ist es doch gewöhnlich, wo es zum Vorschein kommt, um denFlachs geschehen, da das Jäten nichts nützt. Der Saame desselbenist oft im Boden enthalten und es kommt in nassen Jahrgängen inden Wicken und im Flachse zum Vorschein, noch häufiger werden