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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Wetzen.

die Durchwintcrung ungünstig war, der Weizen dünn gestanden hatund das Land mehr verunkrautet und verwildert ist, muß eine drci-furchige Bestellung erfolgen. Wenn durch die Bearbeitung der Bo-den zu locker werden sollte, so ist dies eben so nachthcilig für denWeizen, als wenn die Bestellung zu spät, unmittelbar vor der Saatgegeben wird, weil ver Weizen eben so wenig einen zu sehr, alszu frisch gelockerten und nicht gehörig gesetzten Boden verträgt.Ist der Boden nicht zu kundig und zu roh, so wird man unter denmeisten Umständen bei der mehrfurchigcn Beftelluirg immer besserfahren, eine Furche weniger zu geben und das Land sich vor derSaat gehörig setzen zu lassen, als die Saat in frisch zubereitetes Landfolgen zu lassen.

Auf einen ganz vollständigen, gehörig reif gewordenen Saa-ln en kommt cS beim Weizen vornämlich an, indem beim Mangeldesselben unvollständige Pflanzen, zum Theil auch der Brand, dieFolge sind. Vollständige Saamen müssen unversehrt, schwer, zuge-rundct, glatt, dünnschalig sein und ein feines, weißes Mehl ent-halten. Die Körner müssen einen flachen Spalt haben und einenKlang von sich geben, wenn man sie durch die Hand laufen läßt.Je magerer, länglicher und leichter der Weizen ist. und je mehr ersich naßkalt anfühlt, 'desto geringer ist derselbe. Dem Ausarten istnicht leicht ein anderes Gewächs so unterworfen, als der Weizen.Er verändert in anderem Boden nicht nur sehr bald die Farbeder Saamen, sondern diese werden auch weniger vollkommen undmehlreich, so wie denn überhaupt die ganze Pflanze geringer wird.Ein öfterer Saamenwechsel ist daher beim Weizen besonders zu em-pfehlen, wenn man nicht einen ausgezeichneten zum Weizen geeig-neten Boden hat, in welchem sich eine geringere Art Weizen nachmehrjähriger Saat verbessert. Wer eine neue Wcizenart zu wählenUrsache hat, der lasse sich d»her nicht durch die Form und Ueppig- >keit der Pflanzen und die vorzügliche Beschaffenheit der Körner ver- !leiten, sondern er berücksichtige Boden, Kultur und Klima und wählesich Saamen aus solchen Gegenden, wo diese gegen die seinigcnweniger günstig sind. ES wird empfohlen, den Weizen vor derSaat mit mancherlei Ingredienzien zu schwängern, theils um seinKeimen in der späten Jahreszeit zu befördern, theils um ihn vordem Brande zu schützen. Noch hat man aber kein sicheres Mittelgegen diese so nachthcilige Krankheit entdeckt und wird sie wohlauch durch das Schwängern allein niemals beseitigen können, da jsie nicht allein durch eine besondere Beschaffenheit des SaamcnS,sondern auch durch mancherlei anderweitige Ursachen veranlaßt wird.Die Saatzeit ist nach Beschaffenheit dcS Bodens und Klimas ver-schieden. Im Allgemeinen verträgt der Weizen eine spätere nndfeuchtere Einsaat als der Roggen, und man bestellt daher diesenzuerst- Ueber die frühere oder spätere Saat sind die Meinungengetheilt. Für erstere wird angeführt: Je früher der Weizen i»rHerbste gcsäet wird, desto früher kommt er im folgeitden JahreSchossen und Blühen; je später er zum Blühen und zur Körner-