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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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487
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Weizen.

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Man empfiehlt daher, zweijährigen Saamen zur Saat zu nehmenund diesen vorher zu imprägnircn. Ein Wechseln deS SaamenSist beim Sommerweizen noch mehr zu empfehlen als beim Winter-weizen. Die Saatzeit betreffend, behaupten Einige, man müsse denSommerweizen erst dann säen, wenn keine Fröste mehr zu befürch-ten find, wahrend Andere dagegen behaupten, daß leichte Fröste,wenn sie nur die Oberfläche deS Bodens berühren, ohne tief indenselben einzudringen, dem Sommerweizen keineswegs schaden.Hierbei kommt allerdings sehr viel auf die Art an; denn wird z.B. Wechselwcizen als Sommerfrucht gebauet, so kann er so zeitiggesäct werden, als eS nur die Zurichtung deS Bodens gestattet,weil ihm selbst starke Frühjahröfröste nicht schaden. Andere Artensind jedoch theils von Natur, theils durch langjährige Saat soverzärtelt, daß sie nur in der wärmern Jahreszeit gesäct werdendürfen. Zeitigere Saat des Sommerweizens geräth im Durch-schnitt besser als spätere, und es ist daher gerathen, die Saat soeinzurichten, daß dieselbe, wenn vie heiße und trockene Witterungim Mai oder Juni eintritt, sich bereits so ausgebildet hat, daß sieden Boden genugsam beschattet und frisch erhält. Hiernach wirddie Saatzeit nach den klimatischen Verhältnissen im Laufe des Aprilsoder im Anfange des Mai fallen, und nur in höhcrn Gebirgsge-genden wird sie später stattfinden müssen; eine spatere Saat jedochals nach der Mitte Mai bleibt unter allen Umständen gewagt, in-dem die Ausbildung, wenn nicht gerade daö Klima sehr warm ist,gefährdet ist, überhaupt aber die hauptsächlichste Entwickelung indie trockenste Jahreszeit fällt, welche ihn oft außerordentlich zurück-hält. Zur Saat wählt man einen Zeitpunkt, wo der Boden soabgetrocknet ist, daß er, ohne zu schmieren, geeggt werden kann,und die Witterung von oben trocken ist. Nebelige Witterung ver-meidet man bei der Saat. Der Boden darf aber nicht zu trockensein, weil der Saamen in einem solchen sehr lange liegt, ohne zukeimen. Ueber das Auösaatmaaß ist man verschiedener Meinung,indem Einige behaupten, er müsse dichter gesäct werden als derWinterweizen, Andere dagegen, daß die Saat keineswegs stärkergemacht werden müsse. Es kommt hier jedenfalls auf die KraftdeS Bodens und die Düngung an. In kräftigem Boden, bei er-forderlich zeitiger Saat, wird die Saat dünner erfolgen können, jeweniger aber der Boden kraftvoll ist und je später die Saat er-folgt, desto starker und oft um den vierten Theil stärker, als diedes WinterwcizenS, muß sie gemacht werden. Die Saat ist mitschweren Eggen gut unterzubringen und auf sehr lockerem Bodenempfiehlt man ein 3 bis 4 Zoll tiefes Unterpflügen. Auch daöWcilzcn wird nach der Saat empfohlen. In einem mehr bindi-gen Boden, welcher sich nach der Saat bei stattgefundencn Regen-güssen leicht schließt, bekommt dem Sommerweizen das Aufcggensehr wohl, ja wird eine eben so unerläßliche Bedingung seinesGerathcns, als das Eggen der großen Gerste; im lockeren Bodenmuß mau es aber unterlassen, wenn nicht die Saat untergepflügt