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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

am Südende des Doppelstromgebietes angegeben wird. Und wie nun jetzt indiesem ehemaligen Lande paradiesischer Urfruchtbarkeit? Die Kanäle sind ver-sandet, die Bewässerung verfallen, der Boden in Steppensand aufgelöst, ausdessen saurem Grunde Salzkräuter und bittere Artemisien sprossen, die Flußuferverwildert in Tamarisken und Weiden am rohrichten Sumpsland, dem Aufent-halte zahlloser Wölfe, Schakale und wilder Eber, das Land von den nierastenden blutgierigen Räubertribus der nahen arabischen Wüste die immermehr Herrschaft gewinnt über organische und unorganische Natur, überzogen odervon Kurdenstämmen geplündert und von osmannischen Herren gebrandschatztdas ist der Staat der großen Könige von Babylon und Assyrien. Schon deralte Geograph sagt:Eine große Wüstenei ist jetzt die große Stadt (Babylon)."

Auch Armenien ist erwähnenswerth durch seinen Ackerbau und noch mehrseine Viehzucht dieses Alpenland am Ararat, die unzerstörbare Völkerfestemit ihren Mythen der urältesten Zeit. Mehr als alle ihre Nachbarn, seßhafteoder nur vorüberziehende, erhielten sich die Armenier in dem einmal errungenenKulturgrade, was wohl vor Allem dem nach Erhaltung des Bestehenden stre-benden Geiste ihrer geistlichen Verfassungen, die es schon in vorchristlicher Zeitbesaß, zuzuschreiben sein mag. Die Karducher im Quellland des Euphrat undTigris hatten Uebcrfluß an Lebensmitteln, doch aber war Armeniens höchsteProduktion das edle Pferd medischer Race, das aus seinen Weidereichen Alpen-platten trefflich gedieh. Berühmt war Orchistera durch große Pferdezucht undvorn Grenzlande Armeniens und Kappadoziens aus (dem biblischen Thogarma)mußten den persischen Königen alljährlich nur allein 20,000 Pferde als Tributgegeben werden. Berühmt war auch die Olive von Gogarena. Nach Tyrusund Phönizien überhaupt, nach Palästina und dann Babylon auf dem Euphrathinab brachte man Pferde, Maulthicre und Wein, noch jetzt, sagt der ReisendeBrant, ist der Ertrag der Cerealien dort zwölffach, verwendet man die größteSorgfalt auf den Ackerbau und schmücken ganze Wälder von Manlbeerbäumendie Gehänge.

Von den weichlichen Lydiern, die am goldsandführenden Paktolus undam befruchtenden Mäander wohnten, von den handeltreibenden Joniern oderden dadurch noch berühmterer» Phöniziern, denen der Gartenbau viel galt, gibtes nuv Unerhebliches zu sagen; wichtiger freilich ist Phrygien, das Vater-land der Göttermntter Cybele, der Rom seine Fruchtbarkeit" verdanken wollte,aber von diesem einen Urgefchlechte griechischer Stämme wollen wir mehr sagen,wenn wir aus das europäische Griechenland kommen und jetzt nur noch von derLandwirthschaft der Völker im Jordanthal und den Gebirgsausläufern des Ly-banons der Juden, dann jener Egyptens sprechen.

Auf einem nicht viel über 500 Quadratmeilen großen, sehr verschieden-artig formirten Landstriche zwischen Wüsten im Süden und Osten, einer krisen-losen Küste inr Westen und einem rauhen Gebiete im Norden entwickelte sichdas Volk des Herrn, von dem Glauben an ihn mehr, als von politischenVerhältnissen gekräftigt. Wenn dieses Land der Hebräer ein Land genanntwird, wo Milch und Honig fließt, so mag das wohl auf das an wilden Bienenreiche Gebirge, den süßen Wein, der da wuchs, und aus die reichen Weidenim Osten deuten, aber auf besondere Fruchtbarkeit des Bodens kann es unmög-lich gehen.

Außer einer kleinen Knstenstrecke von der lyrischen Treppe bis an denCarmel, der Ebene Jesreel und dem Jordanthal selbst war alles übrige Landganz oder halb Wüste. Dennoch trieben die westiick vom Jordan wohnendenStämme vorzüglich Landbau, mühsam selbst, mit Terrassenkultur auf felsigtem