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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

weise, wie thörichte Kasuistik später Alles wieder störte. Weinbau vor Allemblühte und in der That war auch Syrien und Kleinasien für den Anbau derRebe besonders günstig gelegen.

Hügelland und Kalk im Boden, trockene Wärme ohne zu große Hitze sindsehr günstige Elemente zum Weinbau. Fand doch schon Noa in Armenien dieRebe wild! Anlage der Rebenpflanze in die Setzgruben, Aufgraben vor Win-ters, dem Regen Zutritt zu verschaffen, Behäufeln oder Ebnen im Frühling,sehr kurzer Schnitt am zwergstamm-ähnlich gezogenen Stocke waren Haupt-momente ihrer Kultur, wie Keltern in viereckig gemauerten Behältern, Anstretenmit Füßen, Gähren in offenen großen Thongefäßen und Aufbewahren in Schläu-chen Momente der Weinerzeugung; später erst wurden Fässer bekannt, wohl eineErfindung nördlicher Völker. Syriens Wein wird gerühmt. Aeußerst häufigtrocknete man Weinbeeren zu Rosinen.

Bei der großen Ausdehnung der Fruchtbäumekultur war die häufigste undvollendetste Wirthschaftsmethode jener Länder, wie noch jetzt im europäischenSüden, jene der Baumfelderwirthschaft, d. h. Kultur der Zwischeureihenzwischen Oelbäumen, Feigen, Sykonwren und Maulbeerbäumen rc., eine imSüden vielmehr passende Baumethode als im gemäßigten Norden.

Dennoch blieb Viehzucht Hauptneigung der Juden, und wenn man bedenktwie lange die Söhne Abrahams selbst unter den angesessenen, ackerbautreiben-den Völkern Kanaans ihr Nomadenleben fortsetzten, in Egypten als selbst soVerachtete Hirten festhielten, so muß man gestehen, daß diesem Hirtenstammevon Mesopotamiens Fettweiden her eine sehr große Liebe zu dieser Art landwirth-schastlichen Betriebes inwohnte und auch jetzt noch hat wenigstens der Viehhan-del für die Söhne Israels seinen Reiz nicht verloren.

Trotz schlechter Bodenbeschaffenheit im größten Theile ihres Landes, gerin-ger Krume und Mangel am Nöthigsten dem Wasser war dennochPalästina reich an Vieh. Die Stiere von Basan oder dem Jordauthal warenberühmt, Ochsen und selbst Kühe nur zum Zug an den Pflug gebraucht undein gestohlenes Rind mußte mit fünf andern, 'ein Schaf mit vier ersetzt werden.Job hat 500, später 1000 Joch Ochsen. Früher als die Griechen kannten dieJuden die Butter, wohl durch barbarische Völker, denn nie war Kuhmilch undButter bei diesem so reichlich gutes Oel erzeugendem Volke im besonderenGebrauch. Indessen konnte der Bodenbeschaffenheit gemäß Rindvieh- wie Schaf-zucht nur aus bestimmte Gegenden eingeschränkt blühen, wie namentlich in denendlosen Steppen östlich vom Jordan (settschwänziges Schaf berühmte Wollevon Gelbon, Milet und Damaskus). Aber Nichts mußte besser auf den dürren,gestrüppreichen Bergen Judäas gedeihen, als die der Waldvegetation so gefähr-liche Ziege.' Auch wurden Ziegen insbesondere auf Milch benüßt, und dieHebräerinnen webten seine Zeuge aus Ziegenhaaren (ob Angora-Ziegen?).Reich an Ziegen besonders war der Berg Gilead. Nach den Angaben des Ge-schichtschreibers Josephus wurden am Ostersestabend binnen zwei Stundenin Jerusalem allein 250,600 Lämmer geschlachtet. Weder die Patriarchen, nochJob oder David hielten unter ihren vielen Hecrden nur Ein Schwein! auchAraber und Phönizier, Egyptier znm Theil, aßen kein Schweinfleisch.

Viel Sorge war auf Kameelzucht verwendet, aber fast gar keine aufPferdezucht. Mochte auch die Vegetation ihre Haltung nicht besonders begün-stigen, so war dieß doch nicht in so hohem Grade der Fall noch jetzt sindsyrische Pferde berühmt! es waren wohl hierarchische Maximen, die vondieser Art Viehzucht, welche den kriegerischen Geist so sehr belebt und zumalan das hierin damals berühmte, den Judenpriestern so verhaßte, weil geistig