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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Aeltere Geschichte.

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verwandte, Egypten erinnerte. Doch hielt sich das wachsende Königthum baldan die nöthigsten Mittel für stehende Heere in jenen Ländern und Salomonhatte schon 12,000 Reitpferde und an 40,000 Pferdstände. Theils aus Egyp-ten, theils aus Kappadoziens Grenzland hatte er sie bezogen, aus ersterem selbstmit Ausfuhrzoll. Dagegen ersetzte reichlich dem Landbauer der Esel und Maul-esel das Pferd.

Wollten wir zuletzt noch der agrarisch gesetzlichen Bestimmungen aller er-wähnen, woran die Bücher der Hebräer natürlich sehr reich sind, da sie dieFundamente ihrer Staatsgrundgesetze bilden, so würde uns das zu weit führen,nur aber mögen wir noch erwähnen des Gesetzes, welches die Erstlinge jedesErzeugnisses Thier oder Pflanze dem Herrn zu opfern gebot. Manhat dieses oft für den Ackerbau schädlich betrachtet, wir aber möchten das Ge-gentheil behaupten und Moses, als ehemaliger Schäfer, mußte recht gut dieVerschlechterung der Racen kennen, die durch Nachzucht der Erstlinge in derRegel erfolgt. Noch Ein Statut aber verdient trübselige Erwähnung, dasGesetz nämlich, dasden Zaun um den Reichthum" schuf, wie die Rabbinerselbst sagten, der Zehent in imturn, dessen Name allein mit allen seinenanalogen, nach ihni zumeist formirten Bodenbelastungen, hinreicht, dem fort-schreitenden Landwirthe Schrecken und Zweifel auf jegliches Gelingen einzu-flößen, der Zehent, welchen Gott sich ausbat für das den Jsraeliten von ihmübcrgebene Land. Wie kam doch die Synode der Bischöfe und Priester zuAschheim (um München) im Jahr 763 darauf, germanisches Land dem Gottder Hebräer zu verzehenten, da doch das Land von Urzeit an schon seinenBewohnern ohne bekairnte Bedingungen gegeben war? Wie kam Karl derGroße darauf, diesen jüdischen Gebrauch' seinen christlichen Franken anzuem-pfehlen?

Zweimal im Jahre mußten die Juden verzehenten, im je dritten Jahresogar dreimal, doch aber ward der Zehentgeber bei den zwei letzten Erhebungenzum Mitgcnnß zugelassen. - Auch war dieß die fast einzige Abgabe der Juden.Uebrigens war auch bei ihnen jeder Erb- oder Familienacker unveräußer-lich und somit herrschte größtes Fideicommiß.

Zunächst an Arabien vorbei führt uns die Geschichte ins Land uralt be-rühmter agrikoler Kultur, nach Egypten.

Freilich sind nomadisirende Räuberstämme, Wüstensand und Heuschrecken-schwärme keine lockenden Bilder für den wandernden Landwirth, aber dennochtrug Arabien seinen, und zwar sehr wichtigen, Theil zur Vervollkommnung desAckerbaues bei.

Jst's nicht die vorherrschende Kameel- und Pferdezucht, welche jetzt Ara-bien auszeichnet, und ist es auch nicht die schöne uralte Schilderung des ara-bischen Grundbesitzes, der uns von Hiob gezeichnet wirb, so sind es dochvorzüglich ^zwei Dinge, durch die Arabien wirkend in die Geschichte des Acker-baues griff, durch die reichen und eigenthümlichen Gartenanlagen, die wir alsmaurische oder orientalische überhaupt kennen und durch die Einführung man-cher Kulturpflanzen, deren Wichtigkeit erkannt ist. Daß Arabien schon in alterZeit so ausgezeichnete Pferderacen gehabt habe, wie jetzt, wird nirgends ge-sagt, und es scheint, daß erst später durch weitere sorgfältigere Inzucht deredlen babylonischen Nace (zunächst der ältesten edlen der mcdischen ver-wandt) der gegenwärtige Stand erreicht ward.

Wie ein arabisches Mährchen, so erscheint uns ein ächt orientalischer Gar-ten mit seinen üppig duftenden Blumen in Masse, seinen springenden Brunnen,kühlen Wassern mit Goldfischen, Orangenhainen und Rosengebüschen, mit