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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Di« Landwirthschaft.

Narzissen, Hyazinthen, Tulpen, Tuberosen und Lilieuflor, den glühenden Gra-naten neben dunklen Feigengebüschen und dem Kiosk an himmelanstrebendenCypressen, — Vorbild des mosleminischen Paradieses. So blühten ehedem ihreGärten am Lenil Granadas in Spanien, so um Messina im wolkenlosen Si-zilien, wie im Urbilde zu Bagdad und Basora an den üppigen Usern desEuphrat, den prächtigen Städten ihrer weisen Kalifen.

Dann aber auch ward die Kultur des Reißes und der Baumwolle zunächstdurch Araber gefördert und nach Europa gebracht, nicht minder ja des Zucker-rohrs, wohl auch des Mais, der Mohrenhirse und vieler Agrumen.

Der vvm südlichen Nubien bis ans Mittelmeer sich erstreckende schmaleLandstrich im nordöstlichen Afrika, der durch dürre Felsengebirge an beidenSeiten von der lybischen Wüste westlich, östlich vom steinigten Arabien unddem rothen Meere getrennt wird, heißt Egypt en und, über 135 Meilen lang,saßt er in seiner größten Ausdehnung etwa 8700 Quadratmeilen. DürreFelsengebirge, .wehender Wüstensand und magere Klippcninseln bieten wenigerfreuliche Aussicht aus Ernährung einer zahlreichen Population auf einer ebenangedeuteten nicht geringen Fläche, auf welcher wir doch noch die erhabenstenMonumente ehemaliger hoher Civilisation finden, von deren großer Bedeutungdie Geschichtschreiber der alten und neuen Zeit voll sind. Aber durch einenschmalen, im Durchschnitt etwa zwei Meilen breiten Landstrich wälzt sich dort derStrom ewiger Fruchtbarkeit, der Nil, mit immer fluchenden Wassern im sub-tropischen Erdstrich.

Weniger das Schmelzen des Schnees äthiopischer Hochgebirge, als diemassenhaften tropischen Regen schwellen ihn alljährlich vom Juni bis Septem-ber fortdauernd an, treiben ihn über seine Ufer und er bedeckt dann das Thalmit fruchtbarem Schlamme, aus dem ewig neu die schaffende Isis üppigePflanzen erzeugt.

Daß ganz Egypten ehedem ein Meerbusen war, bezweifelt nicht die Geo-gnofie und erzählt selbst die Geschichte. Auch die Ackerbaugeschichte findet hierAntheil, jenen nämlich der vorgetreidlichen Kultur sumpf- oder küstenanwoh-nender Ichthyophagen und Chelonophagen, die bald auch vom gebauten Lotus,Colocasia und Papyrustrieben sich nährten, — in einer Zeit gewiß, als diespäteren Halmfrüchte im überfeuchten Boden nicht noch wachsen konnten, wiejetzt schon ein großer Theil der Fläche mit Pflanzen bebaut wird, die nieüberschwemmt werden dürfen und ihre ausgedehnte Kultur den gewachsenenSchlammstraten und der Abnahme des Nilwassers verdanken. Lotus- Cerea-lien- und Baumwollenkultur können Bezeichnungen für die Abschnitte der Acker-baugeschichte Egyptens bilden.

Eine schöne Schilderung geologischer Verhältnisse, zunächst Unteregyptens,hat uns Russe gger gegeben. An der Küste — Dünensand und jüngsterMeeressandstein in fortdauernder Bildung; im Delta — Kulturland, bloßdurch Nilschlamm, Sand und Gruß gebildet, fortdauernd erzeugt; die östlicheoder arabische Wüste zeigt Tertiärgebilde: Grobkalk, Numulitenkalk, Dilu-vialsand und Sandstein; die westliche oder lybische Wüste zeigt Tertiär-gebilde: Numulitenkalk, Grobkalk, Diluvialsand und Sandstein mit Salzthon,Salzseen. „Egypten, schließt er, hat keine Wälder, keine Auen, keine Wiesen,keine Alpen, kurz — nur Wüste und Ackerland." —

Oberegypten bekam seit je durch die Ueberschwemmung des Nils als nächsteQuelle den meisten Schlamm, darum auch erhöhen sich hier die User am mei-sten und wenn der Fluß da 30 Fuß erreichen muß, um überzutreten, so reichenbei Kairo dazu schon 20 Fuß und an der Mündung nur einige hin. Man