Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
9
JPEG-Download
 

Aeltere Geschichte.

9

hat gefunden, daß für jedes Jahrhundert die neugebildete Schlanimschichte0,31 pariser Fuß beträgt und demgemäß wurden die Schuttterassen von The-ben vor etwa 8000 Jahren gelegt, weil sie mit 24,7 pariser Fuß hohemSchlamm bedeckt sind; wie hoch mußte aber der reuten- und brodgebendeund so erst Künste fördernde Ackerbau entwickelt, wie weit das Volk in seinerCivilisation vorgeschritten sein, ehe es daran denken konnte, solche Baudenkmatezu schaffen? Indessen war es nur Ein Hebelpunkt, von dem aus egyptischesLandbauwohl zu heben war die durch Kanäle möglichst weit zu verbreitendeund zu regelnde Bewässerung oder eigentlich Uebcrschlammung des Landes.Dazu nun hatten schon die mythischen Pharaonen die großartigsten Kanalsy-steine gebildet und Möris selbst das Bassin von Fajnm zum Wasserreservoirgemacht, das größte, was die Kulturgeschichte kennt.

Nach dem Grade, in dem der Nil das Land überschwemmt oder vielmehrnach dem, was er überfluthet und was nicht, wird sich auch die Bodenkulturin zwei sehr natürliche Abtheilungen bringen lassen, in jene nämlich, die ohne,und jene, die mit Ueberschwemmung stattfinden konnte. Bäume und perenni-rende Landpflanzen überhaupt vertrugen nämlich kein längeres Bedecktsein mitWasser und ihre Kultur fand demnach nur nahe an den erhöhteren Ufern undHügeln überhaupt statt; alles andere übcrflnthete Land aber war dem Anbaunur einjähriger Gewächse unterworfen. Wir wissen zwar recht gut, wiewenig die moderne Romantik Geschmack gewinnt an ausgedehnten Flächen üppi-ger Nutzpflanzen, an bunten Wiesenflächen mit bethautem Klee, den nickendenAehren des blaubereiftcn Weizens neben straffem Spelz, weichhalmiger Gersteund baumartiger Mohrenhirse, an dunkelgrünen Lcinfeldern mit zarten nicken-den Rispen und azurnen Blumen, den großen gelbrothen Blüthen des Mako-strauches mit der schneeigen Flocke in schon geöffneter Kapsel all dieß nebenriesigen Dattelpalmen, schwebenden Mimosen, schwarzen Feigen, Sykomoren undhochrothblühenden Granaten kann weitab nicht Ersatz geben für Unkengeqniek imRohrkolbensnmpf oder im dürren Eichstrunk Uhngeheul bei falbem Mondschein,denn das nur zeugt von akademischer Beize des ächten Geschmacks! aberprachtvoll war jedenfalls doch der Anblick der Wasserkultur Uregyptens, wieuns sie die Geschichte erzählt. Auf einem endlosen breiten Wasserstreifcn, deraus den grotesken Felsgebirgen sich hervorzog, zeigten sich oft zahllose Kähneder sestefeiernden Anwohner; sie zogen durch die üppigen Wasserkulturen, unterden glatten oft zehn Fuß hohen, geradlinigten Schassen der Papyrusstaude mitihren lustig herabschwebenden Blüthenstielen, durch die breiten, meergrünenBlätter der prachtvoll roth blühenden Seerose und ihre verworrenen Stengel,die oft selbst über den Wasserspiegel hervorragten, so hoch, daß die LustschifferSchatten zum Mahle darunter fanden, endlich durch zahllose- blaue und weißeNymphäenblüthen neben krystallreinen Colocasien, dazu noch unterm reinen Him-mel Egyptens neben Obelisken und Pyramiden am Ufer; wer riskirt da nichtden Ruf des guten Geschmackes und gesteht sein Gefühl?

Immer mehr gewann in der Zeit Egypten kultnrsähiges Land durch Zu-rücktritt des Meeres und Anschwemmen des Nils und als es einmal Stel-len errungen hatte, die vom Nil nur Einmal im Jahre überfluthet wurden,begann es seinen Ccrealienbau und kvnstruirte seine Bewässerungssysteme, umauch immer und alle Jahre die alte Fläche durch Wasser beschlammen zu kön-nen. Ob diese Cerealien (Spelz, Weizen, Gerste, Hirse) vom Meere oderOberegypten oder auf der alten Handelsstraße über Arabien aus Indien insLand gekommen seien, scheint uns völlig unerweisbar bloß Hirsearten aus-