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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

genommen; viel wahrscheinlicher ist ihr Eindringen vom Euphrat her, wo zu-gleich auch dieselbe Kultur stattfand und die genannten Arten wild wuchsen.

Während der Ueberschwemmung waren natürlich die Feiertage des Land-wirths, nicht viel weniger auch nach der Saat, da der Boden nur sehr wenigUnkraut trug. Unmittelbar nach der Ueberschwemmung begann die Saat. Thiere(wohl Rinder zunächst, nicht Schweine, wie man oft liest) treibe man ein, umdie in den Schlamm gesäeten Samen in die Erde zu treten und so zu bedecken,sagt Herodot ein in der That sehr wenig umständliches Verfahren! Aberdie ältesten Egypter kannten schon Pflüge und in den Emblemen von Osirisund Isis finden sie sich oft einfache Haken (nach hesiodischer Vorschriftgebaut) und obgleich auch der altindische Pflug dem egyptischen gleich ist, soist dieß Alles doch nicht von Bedeutung, weil wohl jeder zuerst erfundenePflug ein Haken war, der altindische so gut wie der pelasgische, griechischeund etrurische, oder der von Spanien, Schottland und Mecklenburg. Nur einAufreißen des Bodens, nicht Umlegen war beziclt und das leistete er.

Aelter als Weizen ist Spelz in der Kultur, denn er war allgemein ver-breitetes Nahrungsmittel, während der Weizen noch häufig verachtet, selbsttheilweise verboten war. Mit dem Spelz gleiches Alter mag auch die Gerstehaben; am spätesten als eigentliche äthiopische Kultur folgten die Mvhrenhir-senarten, deren Eine (sorglium suoollurutuin) am südlichsten geht und der abyf-sinischen Poa die Hand reicht.

Unter den Hülsenfrüchtcn verdienen vor Allem die Linsen (schwarze undbraune) eine Erwähnung, dann Kichern und Lupinen, welche hier alle imWinterbau standen. Der in gewissen Kasten herrschende Abscheu, insbe-sondere der Priester gegen den Genuß blähender Gemüse, vor allen derBohnen, Erbsen, auch Zwiebeln u. dgl. spricht für die spätere Einführung der-selben, welche als solche schon dem konservativen Geiste der Priesterkaste zu-wider waren.

Als Handelspflanzen wurde insbesondere der Lein gebaut, dessen Abriffelnund Trocknen in Büscheln wir noch in Abbildung finden, wurden ölgebendePflanzen, da der Oelbaum nicht in großer Ausdehnung gedieh, gezogen, wieReps, Safflor, Laktuka-Arten, Leinsamen, Sesam, wohl auch Rizinus selbst.Wahrscheinlich ist auch Mohn schon in Anbau gewesen und man räth selbst imNepenthes des Homer auf das Opium desselben.

Als besondere Konstituenten der andern Kulturart, im Sommer mit Hilfekünstlicher Bewässerung da, wohin der Nil nie stieg, müssen genannt werdendie Mohrenhirsearten, sehr zweifelhaft ift's von der krautartigen Baumwolle,aber gewiß ist der häufige Anbau der Gartenpflanzen, wie Zwiebeln, Lauch,Gurken, Melonen und Kürbisse, der Persea, des Svkomorus, der Dattelpalme,Napka- und Gummibäume überhaupt, der Granate, Aprikose und des assy-rischen Apfels (Oitrus äeouinÄnn). Seide ward nicht gezogen und die Baum-wolle kam wohl von Lombax Aoss^pinus oder nur im Handel vor.

Weideflächen und Analoga von Wiesen fanden sich in Egypten nur indem sumpfigen Marschland der Nilmündnngen, den unzugänglichen Festen derReste alter Sumpsbewohner, wohl des ältesten Stammes der ersten BewohnerEgyptens der Hyksos oder Hirtenkönige, gegen deren neuerlich angenommeneEinwanderung aus Hochasten wir nur die Verschiedenheit des Klima und dieim Süden so äußerst schwierige Akklimatisation, zumal an sumpfiger Küste auseinem Gebirgsland! setzen; dann auch an den trockenen Rändern des Nil-thales gegen Arabien zu im Winter, in Unteregypten, wo bei spärlichemRegen eine fast ephemere Flora meist einjähriger Pflanzen mit spärlichen Grä-