Aeltere Geschichte.
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fern hervorgelockt ward; endlich eine dritte Art Weidelandschaft an den Uferndes Nils und der Seen, welche nicht oder nur sehr kurze Zeit überschwemmtwurde, Feuchtigkeit aus dem Untergründe und von nahem Wasser zog und dieFettweiden des träumenden Pharao bildete.
Künstliche Fntterkräuter zu kultiviren, war somit iu Egypten nicht weniggeboten und wir wissen auch, daß sie im Großen den Bockshornklee, ehedemwie nocb jetzt neben Alexaudrinerklee, den zahmen Lotus sil'ri^onolla olatior),vielleicht auch den nurr-ios bauten.
Uns nimmt nicht Wunder, wenn der ganz auf sein Schwemmland ange-wiesene Bauer Egyptens mit feindseligen Augen den nomadisirenden Hirten(und andere gab es kaum damals) betrachtete, der über seine Saaten triebund überdieß noch mit höhlenbewohnenden Troglodyten und sumpfbehcrrschen-den Hiksos — den Erbfeinden Egyptens — in nahem Verband stand; — „xa-storis praeposituiu aAi-ioolas ooutrnrimu!" — und das war auch der Grundder Verachtung der Hirtenkaste, nicht der Viehzucht, die der Bauer zur Zug-kraft so nöthig hatte und daher zur Erhaltung edler Race selbst heiligeStiere hielt und verehrte. Die Grundeigenthümer aber waren nur Könige,Priester und Soldaten. — Wo auch wollte man Butter hernehmen, als vonKühen, da Schaf- und Ziegenzucht wenig paßte und der Oelbaum nur schlechtgedieh? — Aber Apis und Mnevis sind längst außer Respekt gekommen, diealte edle Race Egyptens in der That verschwunden und an ihre Stelle istder glatthaarige indische Büffel eingewandert, der schlechte Kost und trockeneHitze wohl verträgt.
Der bewegliche Sinn in der kriegslustigen Soldatenkaste förderte wohlzunächst die ehedem hochstehende Pferdezucht Egvptcns, die indessen mit ebendem Verluste der kräftigen Haltung dieser Kaste sich auch schnell wieder verlor.
Wein erzeugte das Land wenig, doch einigen namhaften, jedenfalls vielmehr als jetzt. Ob aber schon Osiris Bier getrunken habe, wie man oft will,oder das pelusische Getränk genannt werden kann, was man Bier in Germa-nien heißt, das bezweifeln wir völlig, denn wo weder Hopfen wild wächst,noch künstlich gedeiht, noch in Ermangelung von Kellern bei egyptischcr Tem-peratur an ein gut vergohrenes, haltbares Produkt gedacht werden kann, mußwohl nur vom Gerstenmalzwein die Rede sein, den man indessen wohl kaumschnell genug trinken konnte, um ihn vor Säure zu retten.
Reich an Produkten des Ackerbaues war zunächst also Egypten. In derIndustrie zeichneten sich seine Webereien aus. Großer Getreideerport, guteGewebe und Mangel an Seehandel sind drei Komparationspnnkte, die auchihres Gleichen in andern modernen Ländern Europas finden dürften, — nichtminder politisch schwach, wie das Nilnferland!
Selbst in den Zeiten seiner Unabhängigkeit gab Egypten dem Auslandewenig von seinem Ueberflusse. Außer dem Tauschhandel mit Getreide undKunstprodukten gegen Fleisch und Felle mit den Nomaden an seinen Grenzenoder mit den Nachbarn in Oberegypten, führte Egypten selbst zur See fastNichts aus. Kurzsichtige, starre, unnachgiebige Priesterherrschast ließ ihren Un-tergebenen nicht gar gern für so lange Zeit aus der Hand, als es die See-fahrten erforderten, denn kommt er zurück, so ist er mit fremden Institutionenbekannt, vergleicht und urtheilt kühner, zumal er eine oft verschiedene Natur-anschauung mitbringt und das Mährchcnhafte enthüllt. Endlich brachten ihnendie Griechen den Seehandel, Alexandrien erhob sich — aber mit der natio-nalen Sclbstständigkeit war's dann vorbei.
Zwischen Alexandrien und Rom war später eine besondere Kornflotte thätig,