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Die Landwirthschast.
UM letztere Stadt mit Getreide zu versehen. Auch vorher schon, zu der Pto-lomäer Zeit war dieß in andern Ländern geschehen und nicht umsonst wohl ließAugustus die Wasserleitungen des Landes durch römische Krieger wieder her-stellen. Nicht minder ließ auch Konstantinopel viel Getreide hier holen undgriechische Produkte einführen und Justinian legte deßhalb aus Tenedos einDepot für egyptisches Getreide an. Des Pserdehandels nach Syrien zu Sa-lomons Zeiten ward schon gedacht.
Was Egypten in neuester Zeit nun prodnzirt, nachdem sein Mcekönigzugleich sich zum obersten Fabrikanten und Kulturanten erhob, — was dieLandwirthschaft zur Blüthe und Reife bringt, unter der grandiosesten Tyranneides Grundes und Bodens, welche die Welt kennt, —- das ist zwar männiglichziemlich bekannt, nicht minder, daß Baumwolle allein es ist, auf die aller Pro-duktionseifer sich richtet. — Wie wenig indessen auch dieses Produkt wiegtgegen, die Massen, die Nordamerika und Indien auf den Markt werfen, so hatdoch der Pascha ihr zu lieb die Getreideproduktion noch vernachlässigt — wennnämlich da noch von Vernachlässigung die Rede ist, wo kein Recht und Grund-besitz, keine Kenntniß und kein Begriff vom Volkswohl ist.
Clot Bey sagt uns, daß Neu-Egypten 1833 erzeugt habe:
Getreide (Weizen) 4,348,840 Wien. Metz. Baumwolle
BohnenGersteMaisDurrhaLinsenLupinenKichernReiß
Zucker.
Safran
Henneh
Flachs
Indigo
Opium
Seide
91,143 Centner6.846
465
27,842
14,328
16,953
330
143
2.099,4401,948,480479,8722,249,400209,94459,98474,980239,936 -
Indessen kennt man in den Ländern des Mittelmeeres wohl Getreide vonOdessa und selbst der Türkei — aber von egyptischen Exporten außer Baum-wolle und Opium ist sehr wenig bekannt.
Mehr als bei allen andern außereuropäischen Völkern entsteht bei denEgyptern die Frage, ob sie nicht jemals die Landwirthschaft wissenschaftlich be-trieben? Um so mehr, als ihre Fortschritte in Künsten, Gewerben und manchenWissenschaften außer allem Zweifel find. Gewiß haben die Priester, diese pri-vilegirten Gelehrten und zugleich ersten, oft einzigen Landeigenthümer denMitteln zur Steigerung des Reinertrags nachgedacht.
Da sich diese Mittel jedoch fast einzig auf die Bewässerung des Nils con-centrirten, die dann alle Frnchtfolgeregeln und schwierige Vorbereitung undNachbehandlung der Saat ziemlich-überflüssig machte; so möchte nächst der weniggeachteten Viehzucht ihr wissenschaftlich landwirthschaftliches Streben insbeson-dere eben der Bewässerung und zunächst auch der Geometrie sich zugewendethaben.
Ein alter Name Egyptens, sagt Plutarch, sei Chemia gewesen und dieWissenschaft gleichen Namens habe denselben erhalten, weil man sie hier zuerstpflegte. Nicht den Phöniziern, sondern den Egyptern gehörten, so meint man,die schönsten Erfindungen des Alterthums und jene entzogen den Hauptgewinnund die Ehre ihnen nur durch den Handel, dem Egypten als Agrikulturstaat,wie wir hörten, wenig oblag; ja selbst, als es Flotten baute, zu handeln undzu kriegen begann, büßte eS sein Eroberungsgelüste im Greisenalter mit seinemUntergang! Glasbereituug, vielfacher Farben Verfertigung, eine reiche Jnstru-mentalistik zu ihren Riesenbauten, viele pharmaceutische Präparate und das