Aeltere Geschichte.
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Mumisiren sind zunächst egyptische Erfindungen, dererwegen sreilich man nichtzu glauben braucht, daß sie deshalb auch Agrikulturchemie geübt hätten, —aber wir zweifeln doch nicht, daß die Resultate ihres chemischen Wissens über-haupt vielfach von Einfluß auf die landwirthschastlichen Verhältnisse gewesensein müssen und freuen uns, daß ein ausschließlich ackerbautreibendes Volk dieserWissenschaft die erste Pflege widmete. Der Landwirthschaftslehre als solcheraber widmete das nächste Volk, von dem nun die Rede sein soll, die erstePflege, mehr noch dadurch, weil es zuerst der Pflege der Naturwissenschaftengründlicher und mit freierer Forschung oblag.
Von den Alpen Mitteleuropas zweigen sich mehrere Ausläufer ab unddringen gegen den Südosten vor, bald sich in einzelnen Knoten sammelnd,bald in Gürteln Landtheile, Ebenen und Thäler umfassend, bald als starreGrenzmarken die Länder scheidend; immer aber bilden sie, treu dem Cha-rakter des Mutterstockes aus dichtem grauen Kalksteine ihre höchsten, wald-reichen Rücken. Für das eigentliche griechische Land, wie es uns zuberücksichtigen jetzt vorliegt, sind es aber zuerst mir die kambnnischen Gebirgs-theile, von deren Knoten, dem Mezzowo (Pindus) au sich die zahlreichen Sei-tentheile abzweigen, welche bis ans allenthalben so nahe Meer oft jäh vor-springen und die vielen Buchten und Einschnitte, wohl auch die nördlichenInseln des Archipel in ihrer submarinischen Fortsetzung bilden.
So umgrenzen zwei Seitenzweige mit sehr hohen Kegeln Thessalien, nörd-lich die Ossakette mit dem Olymp, südlich die Othrysreihe mit dem Tymphrest(Welucho). Thessalien aber und das östlich vom Pindus sich hinziehende Epirussind die Ursitze ackerbautreibender Pelasger, Myuier, Achäer und selbst Hellenengewesen; vom Norden her, damals schon, wie jetzt, zogen die herrschendenStämme in das südlichere Land!
Vom Tymphrest aus zieht eine Gebirgskette gegen den Golf von Egri-bos vor bis an die Thermopylen, die in ihren Fortsetzungen, — den Trachi-nien, — den romantischen Oeta trägt und das fruchtbare Sperchiusthal gegenDoris, Phozis, Lokris und Böotien abtrennt. Gegen Westen aber und gegenSüden ziehen sich rauh diese Gebirgsknoten in zahllosen Zweigen mit vielenSchluchten, aber ohne Thalbilduug — fort durch Aetolien und Akarnanien bisan den Achelvus und drüber einerseits und bis an den Parnassus südlich, jaüber den Helikon fort bis zum attischen Cythäron und an die Paßengen desisthmischen Gebirges.
Jenseits des lepantischen Golfes hebt sich als Gegenbild dem phozischenParnaß die schöngipfliche Cyllene, das massenhafte Trikalagebirge, das denHauptknoten bildet für die Blattrippen des Platanenblattes, mit dem Straboden Pcloponnes vergleicht. Von da aus, zwischen Argolis und Arkadien durchzum Parnon (Malewo) und dann aus Cap Maleia, dann durch Arkadien undan Messeniens Marken vorbei znm Tayget und Eap Tänarum ziehen die zweiHauptrcihen; minder hoch jene östlich zu den epidaurischen Trockenbergen undwestlich zum Jthomc ans „hohle" Elis hin und längs dem Golfe in die pa-träifchen Gefilde.
Mehr als drei Viertheile des Landes ist gebirgiges, vom Pfluge nicht zubändigendes Land. Gcbirgsweidcn und Produkte der öden und gestrüppreichenTrockenbcrge und Hügel sind Hanptanhaltspunkte für die Nahrnngsquellen derBewohner; aber die Ebenen, die übrig, sind auch zumeist von sehr großerFruchtbarkeit; dennoch führte Griechenland Getreide ei», als es noch 4 Mil-lionen Einwohner zählte, wie jetzt, wo es kaum 800,000 sind.
Man theilt nach ihrer Fruchtbarkeitsanlage die Thalflächcn des Landes,