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Die Landwirthschast.
oder gut ausgetrockneten Eisternen, dir Varro nennt (Silos der Neueren),und auf die sich wohl manche Mythe von reichen Schatzkammern aus der My-nier- und Achäer-Zcit bezieht. Mehlthan, Brand und Rost waren schon bekannteKrankheiten der Kulturpflanzen.
Daß sich Einkorn und Spelz in einander verwandeln, — Gerste zuAegy-lops (ob Haber?) und Weizen und Gerste zu Lolch werde, sind bis zurStunde noch nachgeschriebene alte Meinungen Theophrasts, die sich zu großerSchmach wissenschaftlicher Laudwirthschast noch immer in Ansehen erhalten.
Nicht blos Mangel an fruchtbarer Ackerfläche, auch niederstehende Kulturund Mangel an Dünger verursachten, daß seit je Griechenland im Anbau vonFabrik- und Handelspflanzen zurückblieb, daß es, obgleich längere Zeit dieOberhand im Seehandcl behauptend, doch immer mehr den klugen Spekulantenund Spediteur zu machen liebte, als daß es seinem Handel eine solidere Grund-lage gegeben hätte.
Oelpflanzen zu bauen, war freilich überflüssig, wo der Oelbaum wild wuchsund der veredelte so frühzeitig eingeführt ward. Doch bauten die Griechen denSesam, wie noch jetzt, und kannten das Mohnöl.
Leinbau war jedenfalls ehedem häufiger als jetzt, wo er zur Seltenheitgehört und von der Baumwolle ersetzt wird. Auch in alter Zeit holten wohldie Griechen viel Lein aus Egypten oder den nördlichen Ländern. SchonTheophrast weiß, daß der Lein viel Bodenkraft braucht, Virgil setzt in sofernnoch Mohn und Hafer dazu und proponirt, darauf gestützt, eine Art Frucht-wechsel. Gering war der Anbau des Hanfes, der früher vom binsenartigenPfriemenkraut (Lpartium juimeum) ersetzt ward.
Unter den Färbcpflanzen verdienen Krapp, Waid und Wau Erwähnung,Safran, Kermcsbecreu, Grünbeercn, die Wurzclrmde der Granaten und desPerückeusumachs sind zum Theil erst neu in Gebrauch gekommene Färbestoffe.
Fruchtbildung ist immer vollkommener im Süden, als im feuchteren undkälteren Norden, deshalb auch ist so manchsaltig der Reichthum fruchttragenderBäume und so sicher und voll die Erndte der auf Samen benützten Halmfrüchte.Viele wilde Obstbänme trafen die ältesten Bewohner schon an, wie wir zumTheil eben erwähnt haben, stumpsblättcrigc Birnen, Holzbirnen, Johannisäpfel,Kastanien, Wcichseln, Vogclkirscheu, Speierlinge und den Mehlbeerbaum, denwilden Oel- und Feigenbaum, die Kriechenvflaume, den Weinstock, Myrthen,Lorbeer- und Terpentinbeereu (— letzte drei waren ehedem Obstarten, die manin Gärten selbst zog —); dazu aber wanderten noch bald ein die Quitte,Granate, die edle Olive, der Nußbaum, die süße Mandel, Dattelpalmen, hoch-stämmige Aepsel und bessere Birnen, Pfirsiche, Aprikosen und am spätesten dieAgrumen.
Uralt ist der Gebrauch der Hellenen, einen in der Nähe des Hauses um-zäunten Platz für Zucht von Obstbäumen und Gartengewächsen überhaupt zubestimmen und schon den vielgcwandten Odpsseus finden wir am Hofe desPhäakenkönigs in einem für jene Zeit wohl prachtvollen Garten, nicht minderim Garten des Laörtes, der selbst ihn pflegt.
„Außer dem Hof erstreckt ei» Garten sich, nahe der Pforte,
Eine Huf iu'S Geviert nnd rings umläuft ihn die Mauer.
Dort sind ragende Bäume gepflanzt mit laubigen Wipfeln,
Voll der balsamischen Birne, der süßen Feig' und Granate,
Auch voll grüner Oliven und rothgcsprcnkelter Aepfcl . .
^ Od. 7, 1 l2 ff.
Dennoch kann man aus Allem schließen, daß griechische Gärten niemalsauch entfernt nur die Pracht jener feenhaft geschilderten am Euphrat oder jene