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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Aeltere Geschichte.

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der spätern Römer, ja selbst der Araber oder gar der Neueren erreicht hattenund die Gärten Epikurs (in Ampelokipos) wie jene in Platos Akademie wa-ren nichts weiter, als schattenreiche Lusthaine zum Lustwandeln zunächst imheißen Sommer bestimmt, jedoch ohne prachtvolle Verzierung. Auch Schrift-steller über Gartenbau hatte Griechenland, so Demokrit den Physiker (überObstbau) und Androtion, Mnestor, Empedokles und Anaxagoras, dessen,was durch Theophrast auf uns kam, nicht zu gedenken.

Schon seit den ältesten Zeiten kannte man das Veredeln, Pfropfen inden Spalt und die Rinde, das Okuliren und Ablaktiren. Die Erfindung ver-liert sich in der Mythe.

Baumlöcher lange vor dem Setzen zu machen, im Herbste zu pflanzengerade so, wie der Setzling vorher gestanden sei, Auswahl des ihm eigenenBodens, Einstutzen der Wurzeln, sonst spärlicher Schnitt, Reinigen des Bau-mes alle zwei Jahre, lockern, düngen und Aufwurf von Erdscheiben wird vonTheophrast schon empfohlen.

Der wichtigste Baum Griechenlands war seit je der Oelbaum. Derwilde ist dort entschieden einheimisch, der edle aber ward wohl eingeführt durchdie mit Cekrops eingewanderten Fremden aus Asien und Egypten, am wahr-scheinlichsten aus Phönizien, wo der Oelbaum wie in Syrien überhaupt nochheimischer als in Griechenland war und durch Schnitt, Zucht, Verpflanzungund längere Kultur ebenso veredelt ward, wie es noch jetzt mit manchen Wild-lingen geschieht. Die Sieger auf den ältesten griechischen Spielen zuOlympia wurden mit Zweigen von den wilden Oliven gekrönt; mit Zwei-gen der zahmen oder mit ihrem Oele zu lohnen, ward späterer Brauch undging von Athen aus, von den Kranäerpelasgern, die den ersten edlen Stammauf ihrer Burg und mehrere Abkömmlinge von diesem in ihren Demen pflegten.

Die Fortpflanzung geschah, wie noch jetzt, seltener durch den Kern alsvielmehr seine kräftigen Austriebe vom Strunk oder den Wurzeln aus. Na-mentlich Strunkauswüchse werden als die sicherst angehenden und kräftigstengerühmt. Die eigenthümliche Entwicklung mancher Bäume zwischen Wurzel undStamm eine Art oberirdischen Rhizoms ist von den Botanikern noch wenig

Nächst der Olive hatte die Rebe den Preis, nicht minder wild dortwachsend, wie diese. In dunklen, schattigen Bergschluchten, an rauschendenBächen, von Laubholz umgürtet, findet man häufig genug in Lianen dieBäume überziehend die rauhblättrige wilde Rebe, deren blaßrothe, streng-schmeckende Trauben erst spät reifen. Ihr Anbau ist sehr alt, wie die Ge-schichte. Ihre Zucht geschah in Zwergbaumform (noch jetzt die häufigste), oderman ließ sie auf eigene Gerüste ranken und dieß namentlich in Gärten. Flei-ßiges Behacken, Lockern, das Entblößen der Wurzeln vor dem Winter, umFeuchtigkeit zu gewinnen, Bedecken vor dem Sommer, um die Hitze abzuhalten,sehr kurzer Schnitt im Winter (meist Februar) waren Hauptsätze ihrer Anbau-theorie, nicht minder das Trocknen der Trauben oder bloß zeitweiliges Liegen-lassen an der Sonne, Ausstampfen und Pressen, Aufbewahren des Weines inirdenen Krügen oder Schläuchen.

Für den Trunk sollte gelten Hcsiods Vorschrift:

Dann drei Güsse der Fluth und den vierten des Weins dir geschöpfet!"

Der nächst wichtigste Fruchtbaum von Hellas, wohl älter als die genann-ten und die urälteste Nahrung den Urgeschlechtern verleihend, war der bei denNeue Encyklopädie. Bd. l Nr. 2. 2