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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

Eleusinien hochgefeierte Feigenbaum, dessen wilde Stammart ebenfalls inGriechenland wild wächst. Bald hatte BacchusMorychos," bald Herakles,bald die göttliche Demeter selbst den Feigenbau gelehrt. Attika's starker Fei-genbau ist bekannt. Uralt scheint auch die Methode gewesen zu sein, von Gall-wespen angestochene und also mit Brüt versehene wilde Feigen auf edle Bäumezu hängen, um so den ausschlüpfenden Gallwespen Gelegenheit zu geben, auchdie edleren, aber spät reifenden Feigen anzustechen und durch diese Verwun-dung früher reif zu machen die Caprifikation. Noch vor dem Wein warein süßer Fcigcntrank bekannt.

Arm an Gerathen für Bodenbearbeitung scheint seit je Griechenland ge-wesen zu sein. Dennoch hatte man schon zeitig das Nothwendige des Lockernsund Grabens erkannt, um der Wärme, Luft und Feuchtigkeit'Zutritt zu ge-statten. Eine zweizinkige Haue und die breite Haue überhaupt waren sehralte Instrumente. Nicht minder alt war bei den Griechen der Pflug. SchonHomer beschreibt das Pflügen und zwar aufmunternd genug, da nach ihm derPflüger am Ende jeden Beetes einen Becher Wein erhielt. Zweimal, nochbesser dreimal vor der Saat zu pflügen ward für das Beste erachtet. Ostrissoll in Egypten, Triptolemus in Griechenland den Pflug erfunden haben. AllePflüge der ältesten Zeit waren aber Hakenpflüge und Rau bat uns darüberköstliche Belehrung in seinem SchriftchenGeschickte des Pfluges" gegeben.Hesiods Pflug, wie er ihn in den Tagwerken beschreibt, hat seit je den Er-klären viel Schwierigkeit geboten. Wir glauben, daß derselbe dem noch heut-zutage in Griechenland häufigst gebrauchten sehr, wo nicht ganz ähnlich war,wenigstens paßt sehr gut die Beschreibung:

-Und fandest dn etwa c>» Krummholz,

Trag es zu Haus' ob auf Bergen du spähtest oder im Blachfcld,

Dom Steincichengehölz: denn Bestand hat solches im Stierpflug,

Wenn der Athene Genoß in des Scharbaumes Fug' es befestigtDurch der Nägel Verband und es vorn anschließet der Deichsel.

Doch zween Pflüge bewahre gefcrtiget dir in der Wohnung,

Einfach den und icncn gefügt, mehr frommet es also:

Wenn der eine zerbrach, kann der andere lasten den Rindern,

Lorbeer^ und Ulme vcrleih'n die gedieaendste Deichsel, ein KrummholzGibt Steineich und Eiche den Scharbaum."

Hesiod's Tagw. V. 427. übers, v. Voß.

Diese Beschreibung wird leicht klar, wenn man den neugriechischen üb-licheren darnach analysirt, an dem sich das Krummholz (Grindel) mit unteneingefügter Sohle und Sterze Hintendran, vorn aber die eingelenkte Deichselbefindet. Die Schar war spitzig, kegelförmig, eigentlich nur ciu Eisenbeschlagan der auch außerdem oft bloß im Feuer gehärteten Krümelspitze. Alle Theilehaben noch jetzt altgriechische Namen, wie vorzüglich Deichsel, Schar und Schar-haum. Den Pflug brachten eben die wilden Einwanderer des Mittelaltersnicht mit, sondern nahmen ihn, wie sie ihn fanden. Ob der einfache PflugHesiods nur der in seinen Theilen aufbewahrte, aber noch nicht gefügte war,oder wie uns scheint, nur jener älterer Jnvention, an dem Krummholz undDeichsel Ein Stück bildeten, lassen wir dahin gestellt, bemerken aber noch, daßdie heutzutage in Calabrien, Italien und Spanien üblichen Pflüge dein hesio-dischen am ähnlichsten sind, nur hat man, wie auch in Griechenland durchallerlei Vorrichtungen das Streichbret zu ersetzen gesucht. Das Pflügen ge-schah mit diesem Instrumente mehr durch Umwühlen, wie denn auch in derThat die Schar einem Schweinsrüssel ähnlich gestaltet und davon benannt war

7-v koä.)