Aeltcre Geschichte.
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Als Zugthiere waren Maulesel — seltener! — in der Regel Ochsen, zweiin Ein Joch gespannt — gebraucht.
„Sorge zuerst für ein Haus, für den Pflug stier und für ein Weib auch,
Welches gekauft, nicht ehlich, zugleich wahrnehme der Rinder.
H e s i o d.
Er lobt neunjährige Ochsen. Die Egge war den Griechen unbekannt,wohl aber eine Art Ackerschleife (wie noch jetzt!)
Eine der gewöhnlichsten falschen Behauptungen über landwirthschastlicheVerhältnisse der Alten dreht sich besonders um ihre Feldeinrichtung und ins-besondere die darnach vertheilte Düngung. Man spricht von dieser, wie voneiner ganz regelmäßig vorkommenden Operation. Wie aber konnte sie diesessein in Ländern, die ohne Wiesen, nahmhaft künstlichen Futterbau, ohne Stall-fütterung, ja oft ohne Ställe überhaupt waren? Freilich aber mußten siefrühzeitig die Wirkung des Düngers — des Mistes zumal — erkennen, denndas entgeht selbst dem weidenden Nomaden kaum, — doch aber ward an eineregelmäßige Düngung bei den Griechen nie, jedoch mehr bei den Römern ge-dacht. Homer kennt das Düngen, aber Hcsiod, der so viel von der Brachespricht und sie empfiehlt, sagt Nichts vom Dünger.
Zu Theophrast's Zeiten kannte man freilich schon viele Düngcrmaterialien,die indessen zumeist nur den Reben, Obstbäumen und Gartenpflanzen zunächst,wie noch jetzt im Süden Europas — zu gut kamen. Salzdüngung (fürPalmen) und befruchtende Seewinde, Gerberlohbrühe, Urin und Nitrum, Kom-poste und Gründüngung sind ihm bekannt. „Die Schweinsbohnen düngen denBoden und in Mazedonien wie in Thessalien pflügt man den Boden um, wennsie gerade blühen." Die Römer setzten dann noch die Lupine hinzu.
Die Ansicht der Alten von der Wirkung der Düngermaterialien gehörtzunächst der physikalischen Partei an. Durch Mischen von Erdarten mit ent-gegengesetzten Eigenschaften könne man die Wirkung einer Düngung erzielen.Der Weizen gedeihe besser oft im bindende», aber nicht gedüngtem Boden,weil er das in sich trage, was sonst der Mist gibt — die Wärme. „Die^ahreswitterung (Beschaffenheit derselben) macht fruchtbar, nicht das Feld!"war herrschendes Sprichwort.
Unter den qcwöbnlichen Düngermaterialien stehen die Auswürfe der Men-schen oben an und jene der Tauben, dann der Schweinsmist (ohne Streu)(Theophrast), im dritten Range steht jener der Ziegen, dann kommt der derSchafe, daraus der Rinder und endlich jener der Lastthicre. In Megara sollman auch schon gemergelt haben.
Freilich uralt ist die leere Brache, auch ward sie von Griechen und Rö-mern häufig gestalten; — aber durchwegs regelmäßig allemal ums andere Jahrin Zweifclderwirthschaft, wie man dieß für gewöhnlich annehmen will, bedienteman sich ihrer nicht. Zunächst nur da galt sie, wo bei sehr großen Ländereicneine gute oder auch nur völlige Bearbeitung der areu nicht stattfinden konnte(Chersoneie). Sonst aber kannte man den Anbau von Hülsenfrüchten unmit-telbar vor Wintcrbau recht gut, wie nicht minder die bodcnkrafthaltende undmehrende Eigcistchast derselben. Sommer- und Winterbrache werden oft unter-schieden. Endlich hat ja der Süden alljährlich 4 — 5 Monate leere Bracheper so, weil da auf nnbewässertcm Boden die Ccrealien nicht wachfen (Maisund Hirse werden bewässert!). Wer also ein ganzes Jahr hätte nichts bauenwollen, würde sein Feld sehr nutzlos haben liegen lassen, da er es in den vierSommermonaten hätte sehr reichlich brachen können. Wo man aber Düngerhatte, geschah dieß vollends gar nicht.