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Die Landwirthschaft.
Was auch wollte der Ausdruck des Theophrast sagen, Sommersaaten be-dürften einer vorbereitenden Frucht weniger, — als daß man eben die Winter-saaten durch Früchtebau (asso nicht durch leere Brache) vorbereitete? Mannimmt an, daß die Hüstensrüchte bei den Griechen die Hälfte der arsn einge-nommen hätten; mußten diese nicht bodenkrasterhaltend wirken für nachkom-mende Cerealien und konnte diese Erfahrung ohne Nutzanwendung bleiben?
Nur wenige Länder sind wie Griechenland geeignet, ihre erste, halb wildeBevölkerung bald zum Ackerbau zu bringen. Bei nur sehr geringer Weide-landschaft und sehr spärlichen Wiesen konnte nämlich die Viehzucht bei sich
mehrender Bevölkerung niemals so lange für die Bedürfnisse der unstäten Be-wohner ausreichen, als dieß der Fall im gras- und weidereichen Mitteleuropawar. Nur dreierlei Flächen hatte das Land, die unseren Wiesen analog sind,nämlich Sumpsweiden an Meeresniederungen (Argos, Mesolonghi, Lamia rc.)oder grüne Alpcnmatten auf den Platten der höhern Gebirge (Parnaß, Korax,Pindus rc.); außerdem noch eine sehr ephemere Flora einjähriger Gräser undKräuter, die der Winterregen nur für kurze Zeit hervorlockt, der erste Hauchdes Sommers aber wieder vernichtet. Daß indessen diese Flächen ziemlich
üppig im Alterthum grünten, haben wir anderwärts bewiesen und geht auchschon aus den häufigen Reden der Dichter von „lotosreichen, rosse-nährendenTristen," von Stier- oder Schashekatomben und von unermeßlicher Beute angeraubten Heerden rc. hervor. Eine Wiesen- oder Weidepflege fand nicht Statt.
Ein Zeuge hoher Bodenkultur und Civilisation, ja mehr wie Weizen undSpelz ist bekanntlich der hochstehende Futterkränterbau eines Landes. In derThat war das gebildete Griechenland darin auf hoher Stufe, wo es jetzt, da
man fast kein Futterkraut mehr baut, nicht mehr ist. Der Cytisus oder die
strauchartige Luzerne (NsllieuAo arboreu) ward angebaut, noch mehr der inden Perserkriegen bekannt gewordene medische Klee, die Luzerne (UsäienKosLtivn); ferner der Bockshornklee, die Platterbse, die Linsen, die Wicken, Haber,Gerste und Mengfutter — alle zur Fütterung zunächst!
Wenn nun auch nicht die Wiesen und Weiden, so konnten doch die künst-lich gebauten Futterpflanzen der altgriechischen Viehzucht großen Halt und Schwungverleihen. Indessen^ so groß die sehr einzelnen Heerden der ältesten Zeit auchwaren, große Fortschritte darin machten, einige Nordprovinzen ausgenommen,die Griechen doch nie. Unter den nördlichen, durch Rindvieh- und Pferde-zucht ausgezeichneten Ländern stand Epirus und Thessalien oben an.
„Gen Dodon und der Eiche, dem Sitz der Pelak-gcr, gelangt er;
Eine Ellopiaslnr! ist voll Graswnchses und Kornbans,
Voll von Ziegen und Schafen und schwerhinwandelnden Rindern.
Männer bewohnen die Flur, an Wollvieh reich, dann Hornvieh,
Viel in unendlicher Meng' erdbanendc Menschengeschlechter.
Ltrabo VII. x. 504. 8ebol. 8oxb. l'iLoli. (1174.)
In Epirus waren die Zuchtheerden der edelsten, noch von den Römerngesuchten, Niudviehracen königliches Eigenthum. Mit schöner Gestalt vereinigtediese Race noch den Vortheil großen Milchertrags, den der Stagyrit auf einenAmphoreus alltäglich schätzt, was also mehr als bei unsern besten Kühen wäre.Wie doch konnte er auch sagen, Luzerne vermindere die Milchergiebigkeit beiKühen? — Jetzt freilich ist dort nur mehr Vieh podvlischer Race, zur Fett-bildung geneigt, aber schmählich milchergiebig, wie wir erprobt haben. Vonden Aspiern soll Alexander treffliches Vieh nach Griechenland geschickt haben.Gesetzmäßiges Verfahren bei Paarung und Aufzucht finden wir nirgends. AufMilch und Käse ward wenig gesehen und noch weniger Butter bereitet, die