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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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21
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Nettere Geschichte.

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man noch später ein Barbarengericht Kuhkäse (/?ov-^os) nannte. Sehrhoch, säst heilig, wurden die Zugochsen gehalten undkeine Nation kann ohneOchsen sein!" sagt Vegetius am Schluß seines Panegyrikus auf diese erstenGehülfen des Triptolemus. Rindermast mit Körnern, Wurzel- und Gemäß-Pflanzen, trockne Feigen, Ulmenlaub mit Wein übergössen, endlich auch mit Auf-blasen des Zellgewebes unter der Haut (ürimnt. Ulin.) ward geübt.

An Schafen und Ziegen konnte Griechenland reicher als an Rindern sein.Nicht zwar in seinen grasreichen Niederungen, wo sie zeitig der Tod ereilte,sondern auf den luftigen Platten seiner höhern Gebirge am Parnaß, Taygetund Kyllene, in den ätolischen, epirotischen und theffalischen Gebirgen, wo aufden üppig grünen Alpenmatten im Sommer eine Alpenviehwirthschast stattfand,ehedem wie noch jetzt der lebhaften Mitteleuropas vergleichbar. Dahin ziehennamllch i,n Sommer, wenn Sonnengluth die Ebene ausdörrt, die rüstigenHirten, die im Winter das Flachland durchzogen, und verweilen länger als einhalbes Jahr dort. MansbuMMtos sind diese Schafe somit nothwendig, freilichaber keine Merinos!

Auch die größten Schafe hatte Epirus. Man theilte alle Schafe über-haupt in fein- und grobwollige ein und verwandte viele Mühe auf erstere.Großgriechenland (Süditalien) hatte sehr feine Schafe, berühmter noch warendie milesischen und die von Laodicea. Feine Schafe wurden in Tarent undAthen bedeckt. Reichlich Salz zu geben, empfiehlt Aristoteles, der überhauptvon Sckafkrankheit viel sagt. Auch sind seine Beobachtungen sonst noch vielbesser, als jene des römischen Plinius, der sich so viel aufs Befruchten durchden Wind oder aufs Sprechen der Hunde und Bellen der Schlangen verlegt.

Seit je waren wilde Ziegen, nicht verwilderte! auf den klippenreichenInseln des Mittelmecres und vorzüglich des Archipels häufig. Ziegenzucht paßtefür Griechenland mehr, wie jede andere Viehhaltung. Ihr entsprach das fel-sigte, kahle, gestrüppreiche Gebirge und die Ziege leistet noch jetzt für das Landunter den Thieren, was der Oelbaum im Pflanzenreich. Wie fast alle VölkerEuropas in ihren Urzeiten, wo noch Wälder das Land bedeckten und Sümpfenicht selten sind, so hatten auch die Griechen in ältesten Zeiten bedeutendeSchweinezucht. Vor Allen über Gutsverschwendung durch Verzehren seinerSchweine durch Pcnelopeus Freier klagt der vielgewandte König von Jthaka,und sein rechter Arm bei Wicdereroberung des Reiches ist der treue Eumäus,sein Schwcinhirt. Auch noch spät fort hielt das waldreichere Arkadien vielauf Schweinzucht. Aber in den übrigen, ödern und trockener werdenden Lan-destheilen ging diese Thierhaltung sehr zurück.

Von den Centauren im Peneusgebiet bis auf die edlen Rosse der Heldenvor Troja, dem rvssenährendcn Argos und das edle Gestüt des Philonikuszu Pharsalus, dem der Buzephalus entsproßte, war es Thessalien zunächst,das durch edle Pferdezucht sich auszeichnete; dann auch EliS und Argolis,Epirus selbst und die grasreichen böotischcn Uferlandschaften am Cephissns undCopaissee. Der Süden war immer ärmer daran.

Daß die Griechen auf ihrem steinigten Terrain aufs Pferdebeschlagenzeitig kommen mußten, ist kaum zu bezweifeln, obgleich man direkte Beweisedafür nicht findet. Schweif- oder Mähnenstutzen, Kastriren oder auch nur zurFeldarbeit Pferde benützen, war ungebräuchlich; dem Rosse gehörten die Freudenund Leiden des Lagers.

Gewöhnliches Futter desselben war durch'S Entkörnen klein und weichgc-tretenes Stroh, Gerste und sehr selten Heu. Kichern gab man als ürpbroäv-Liueuin den Zuchthengsten. Vor Allem auch ward viel auf Grünfütterung im