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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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22
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22 Landwirthschast.

Frühling gehalten, wozu die Pferde gefesselt und getndert auf die deßhalb sehrdicht gesäete grüne Gerste kamen.

Bekanntlich suchten die Griechen durch Pferderennen mit Wagen undReitern höhere Vollendung ihrer Pferdezucht zu erstreben. Im Juli jedes4. Jahres ward zu Olympia beim Volksfeste Wagenrennen und Wettlaufüberhaupt gehalten. Aelter als Reiten ist das Wagenfähren. Selbst KönigPhilipp von Mazedonien und Hiero von Syrakus stellten sich zum Wettreiten,das der begeisterte Pindar so schwunghaft besang:

Ha! wie flog er beim Strome

Des Alpheus uugesporut über die Rennbahn dahin,

Daß er in des Trinmphes Schooß seinen syrakusischen Herrn,

Den rosseliebenden Fürsten, trug . . . ."

(Pindar's Hymnen.)

Die schönsten Esel hatte Arkadien und nicht minder reich an Maul-eseln war das gebirgige Land, das sie so nöthig, ja oft als einziges Trans-portmittel hatte.

Von Bienen sprechen alle alten Schriftsteller und alle Urvölker sinddaran reich, weil sie eine vom Waldaufenthalte noch Herstammende Nahrungden ältesten Geschlechtern gaben. Aethiopien sollte nach ihnen sehr reich anBienen sein, an wilden und zahmen, auch Szythicn, und die Cretenser wurdenoft von wilden Bienen aus ihren Wohnungen verjagt. Daß Bienen in fau-lenden Rindern wachsen könnten, war allgemeine Annahme. Wespen ausPferden und Bienen aus Löwen und Stieren!

Gewiß ist, daß in Griechenland die Bienen eine Weide fanden, wieanderwärts selten. Der Honig vom Hymettus, wie der vom Hybla in Sizi-lien sind gleich berühmt. Die Bieneuweide durch Versetzen der Stöcke übtendie Alten, am meisten die Römer. Zum Schneiden trieb man die Bienenmit Rauch aus. Die Römer vervollkommneten indessen die Bienenzucht ammeisten.

Wie uns Varro mittheilt, war Griechenland sehr reich au Schriftstellernüber Landwirthschaft; er zählt deren allein 47 auf, von denen wir indessengar Nichts bis auf die dahin treffenden Werke Hesiods, ikeuophous,des Theophrast und Aristoteles erhalten haben. Vorzüglich ist's aberHesiod von Askra, den wir als Vater der wissenschaftlich bearbeiteten Land-wirthschaft und Theophrast, der Lesbier, die wir hier erwähnen müssen,nicht aber des besonderen Inhaltes ihrer Bücher, da dieser eher einer Litteratur-geschichte, als einer übersichtlichen Darstellung historisch landwirthschaftlicherVerhältnisse älterer Völker angehört, das Wichtigste derselben aber auch bereitserwähnt wurde, da sie ja die vorzüglichsten Quellen sind, aus denen wirschöpfen.

Vielleicht 800 Jahre vor Theophrast, also etwa 1100 Jahre v. Chr.lebte, wohl als Zeitgenosse Homers, Hesiod von Askra in Böotien, amHelikon

-im traurigen Flecken des Elends,

Askra, wo bös ist der Winter und schlecht auch der Sommer und Nichts gut."

Gleichwie die Lebensgeschichte des Sängers der Jlias, ho ist uns auchjene Hesiods ganz unbekannt. Mag er nun aus den luftigen Höhen des fehen-umgürteten sagenreichen Berges seiner Heimath, die Heerden weidend, dievolle Begeisterung eingesogen haben, mit-welcher die noch unverletzte Naturerhabene Gemüther erfüllt, oder mag er als Priester des liederspendendenPhöbus mit Gesängen sein Heiligthum geehrt, der Götter Thaten und derErde Ursprung, wie der armen Sterblichen Loos besungen haben, immer ist's