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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Landwirthschaft.

am höchsten loben. Die besten Tribus der Bürger waren die Landbewohnerund Schande war's ihnen, zu den Städten übergeführt zu werden. Damalswar Ueberfluß im Gefilde und allmächtig der Staat. Woher? Heerführerselbst bauten dazumal das Feld an und es erfreut sich die Erde der lorbeer-begränzten Pflugschar und des Pflügers, der vorn Triumph kommt; oder siebesorgten das Land >o gut, wie sie ihre Kriege führten, oder endlich gedeihtunter ehrenhaften Händen Alles besser. Als Cincinnatus seine 4 Morgenam Vatikan pflügte, brachte man ihm die Diktatur und zwar, wie man er-wählt, als er nackt und bis an den Mund mit Staub bedeckt war.Umhülleden Leib dir, sprach zu ihm der Gesandte, daß ich die Befehle des Senatesund des römischen Volkes vorbringe!"" Daß doch die jetzigen Arbeiternicht denselben Nutzen vom Felde mehr ziehen, wie ehedem die Heerführer,wundert mich." So Plinius 18, 2 sgu- (im Auszuge).

Selbst als der Römer Wcltherrscher geworden war, blieb die Villa nochsein Lieblingsaufenthalt, ihre Pflege der Gegenstand seiner höchsten Sorge,

des ausgedehntesten Luxus. --Man spricht von einer Zeit, in der Rom

das zweite Mal vorzüglich im Abendlande die Welt erobert hatte; nicht mit derWaffen Gewalt, sondern mit der noch stärkeren Kraft des Geistes und hier-archischer Gesetze und wir fügen hinzu, es würde diese Eroberung vielleicht nieverloren haben, wenigstens aber noch viel größere Kraft besitzen, wenn es diePflege der materiellen Interessen der Beherrschten, vor Allem aber die Sorgekür den Ackerbau sich hätte mehr angelegen sein lassen, wenn es gethan hätte,was ehedem in den Priesterstaaten am Nil, was von den Weisen am Euphratfür Agrikultur geschehen ist.

Die Römer sind es zwar vornehmlich, welche Empirie und Praxis zumKern der landwirthschaftlichen Forschung machten und Uns bis in die spätesteZeit herein dadurch den Tadel philosophischer Spekulation oder schulfuchsendcrHumanistik zuzogen, über dennoch wäre zuviel von Uns verlangt, wollten wirein ganzes Gebäude landwirthschaftlicher Lehrsätze hier bis ins besondere demLeser vorführen. Dazu mag man die Schriften Eätos, Varros, Virgils, desPlinius, Columella vor allen, des römischen Schwerz, und des Palladius lesen;auch haben sie gar Vieles und die naturwissenschaftlichen Theorieen vorzugs-weise von den Griechen übernommen, auf die wir zunächst verweisen, wennwir nur, anknüpfend da, wo die Griechen unsere Doktrinen ließen, fortfahrenzu erzählen, was neu durch die Männer von der Tiber für den Landbaugeleistet ward.

Auch die Griechen hatten bestimmte Grundsätze zur Erkennung der Boden-arten nach gewissen Eintheilungsprinzipien ausgestellt, mehr jedoch nach ihrernaturphilosophischen Ansicht von den Elementen als nach geognostisch agrono-mischen Merkmalen.

Die älteste Eintheilung der Bodenarten beruhte auf jener in ebenes,hügeliges oder Gebirgsland (Varro); dann auf der natürlichen Vegetation, diesich auf einem Felde fand. In der Abnahme dieser bei künstlicher Behandlungdes Bodens sieht Columella den Grund der Fruchtbarkeitsabnahme in sehrlanger Zeit im Boden, dagegen der Dünger allein helfe. Derselbe räth auchzur Bodenuntersuchung denselben in Wasser zu lösen und dann die Solutionzu schmecken, um die Güte des Bodens (süß, bitter, sauer) zu prüfen. Das-selbe thut Palladius und nennt fetten, krumelichen und kräftigen Boden denErsten, ihm folge der feste, schwere, doch aber mit Mühe zu behandelnde undder letzte sei der trockene, feste, magere und kalte Boden.

Zwar blieb der Hakenpflug im Wesen den Römern eigen, allein in sehr