Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
25
JPEG-Download
 

Nettere Geschichte.

25

verbesserter Gestalt, da die Römer auf gutes Pflügen Alles hielten.Die

Erde gut lockern und befruchten ist Ackerbau" sagt Columella und Cato

meint, den Acker gut zu bauen, müsse man 1) pflügen, 2) pflügen und

3) wieder pflügen und düngen. Ran hat uns treffliche Abbildungen römischerPflüge gegeben und wir glauben denselben nichts beifügen zu dürfen. Haken-pflüge mit sehr starkem Scharbaum, gerade Sterzen mit Griff, anstatt desStreichbrettes die bekannten Oehrchen waren Hauptmerkmale derselben, ausge-nommen der rhätflche Räderpflug, den Plinius und den Lettischen, den unsVirgil beschreibt, auf welche beide wir noch zurückkommen werden (siehe

Grills oolloot. yf antiguitios. Rnn I. o.). Cato unterscheidet für schwerenB^den, den^römischcn und für leichteren den kampanischcu Pflug. Rädchen am

Umbruch, Querpflügen, Eggen und Saatpflügen, Uebereggen der Saaten,E'üst Umbruch derselben bei durch Platzregen zu hart gewordenem Boden sindHauptlätze ihrer Lehre von der Bodenbearbeitung, deren wesentliches Merkmaldie Bildung flacher, breiter Beete, und auf dieselben erst zwcistreistge, flacheBifange (liraro!) bei der damit bedeckten Saat, beachtenswerthe Punkte fürden Landwirtb bilden.

Daß diese letzteren Streifen nur schmal und seicht sein mußten, geht ausder Arbeitsberechuung bei Columella nach Rau hervor:

Umzubrechen braucht Columella für 1 Joch (28800 röm. ssUFuß) 3 Tage,

zu wenden.2 Tage,

zu rühren. 1 Tag,

Saatpflügen (Ill-ars).^ Tag *).

Schon verwirft er aber das Saatpflügen in Kämmen (lirao Bifange)auf mageren, dürren Hängen.Nicht in den Strang, sondern in die Furchemuß ein solcher Acker gesäet werden."

Kaum die neueste Zeit bearbeitet übrigens die sckwn stehende Saat so gut,als es die Römer mit sarculuin und runoa, mit Instrumenten thaten, diegewiß mit unsern Scarificatoren und Kultivatoren Aehnlichkeit hatten, derengenauere Gestalt aber unbekannt ist. Mit dem ssrouluin bedeckte man die^>uat und lockerte. Mit den runoas oder runoonss (^contra voprota^) wardWohl nur epstirpirt.Itnneari spinas."

Nicht weniger wie die Bodenbearbeitung ward die Lehre von den Dünger-materialien erweitert. Die Menschenauswürfe erhalten eine hohe Stelle, vor-nehmlich aber jene der Bögel, Wasservögel ausgenommen. Als den schlechtestenMist erklärt Columella den Schweincmist, viel besser sei jener des Esels, weiler langsam und gut kaue und gut verdaue. Den Taubcnmist gleich mit denKörnern vermischt auszusäen, rathen die Geoponika.

Den Mist abliegen zu lassen auf wohlcingcrichteteu Miststätten, Vertheilenund Zertheilen desselben aus dem Felde (durch Mistcggen!), Anwendung vonGründüngung mit Lupinen, Wicken, Bohnen rc. (selbst Verbrennen der Wein-reben, um mit ihrer Asche denselben Weinberg zu düngen) waren oftwiederholte Grundsätze ihrer Düngerlehre. Die Hälfte des Mistes theilt Catsdem künstlichen Futterbau zu, ein Viertel den Oelbäumen, und ein Viertelden Wiejen, und er räth, ihn im Neumond auszuführen!

Daß die Römer noch Aschendüngung und Mergeln kannten, Kalk undTeichschlamm anzuwenden riethen und Komposte machten, daß endlich insbe-

*)In sioeitatidus eoiiniivcks xros^MiUtui LusUus, UNL iteratur, t«rtirui än e > aQeo,M Urain s-ttuin roäixitur HnaärLnib vxsro." 6ol. 2. Also in summa nur 4 Tage.