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Landwirthschaft.
sondere Colmnella in dieser Doktrin Großes leistete und eigentlich alle prakti-schen Grundlagen derselben zuerst in der Wissenschaft einführte, sind bekannteDinge.
Man hat oft behauptet und noch immer genießt es allgemeine Geltung,daß die Römer durchwegs Zw eiselderwi rtbrLaft geübt hätten. Fürwahr nurein sehr oberflächliches Studium ihrer landwirthschaftlichcn Autoren konnte dieseMeinung von einer im Allgemeinen so intensiv betriebenen Kultur der Römerso stellen, wie sie lautet. Freilich übten die Römer in den eroberten Pro-vinzen , menschenleer oft und ohne geregelten Ackerbau, Viehzucht und Düngerzumeist, dieses Wirthschastssystcm, wie in Gallien und den Provinzen an derDonau und am Rhein, wo noch obendrein ein ungünstigeres Klima dazu kam;aber im a^or i'oiiuum» oder selbst von den Gefilden des Po bis nach Neapelwar man besserer Kulturmethoden gewohnt. Sollten denn Männer, wie Cato,Varro und Colmnella nicht bald eingesehen haben, daß nach Futterkräu-tern, — Bohnen, Fnttenvichen, Lupinen rc. — denen man die Hälfte desDüngers gab — daß nach diesen der^Boden nicht erst noch ein Jähr lang(vom Juni bis Oktober des folgenden Jahres, also eigentlich 1 6 Mo nate' lana!)in leerer Brache zu liegen brauche, um wieder Cerealic» zu tragen? Sprichtnicht B irgst laut von der bodenkraft erhalte nden und mehrenden Kraft mancherHülsensxnchte? — Alles Land ist nächromischen Autoren entweder best änd iqangebaut (torrn rostillilis) oder es ist in Zwischenräumen in le erer Brach e(torrn vorvoeto). Auch verstand man unter novnlo nicht gerade Ein Jahr langdauernde Brache, sondern mir Ein durch wiederholtes Pflügen für eineSaat hergerichtetes Feld, wenn dieß auch nur in der bequemen Zeit vomJuni bis Oktober (so geht es im Süden an) geschah. In die gedüngte Brachesäete er am häufigsten Futtcrkräutcr („larrnKflnom in rsstiliili steroorntissiinoloeo ssoritv^), darauf Cercalicn, dann wohl wieder solche abwechselnd mitLein, Mohn, Haber, Erven, Linsen, Kichern, nach welchen man erst manchmalreine, leere Brache mit Düngung hielt, weil man diese Pflanzen für sehrbodenkraftzehrcnd erkannte. Wir behaupten nicht zu viel, wenn wir denRömern die ersten Ideen über Fruchtwechsel, selbst oftmalige, freilich nichtsystematische Ausübung^beffelben zuschreiben, wie dieß auch theilwcise schon voruns geschehen ist. Aber es ist ja ein großes Merkmal der alten Zeit, daßsie natürliche Dinge weniger in die Formen geistertödtender Systematik preßte,als unser Zeitalter es will. Daß auch die im Süden so verbreitete Bauin-selde rwirtlncka it von den Römern hohe Ausbildung erhielt, läßt sich erwarten.
Was den Anbau der Nutzpflanzen selbst nun betrifft, so kannten die Römerallerdings mehr Abarten, als die Griechen, in der Hauptsache jedoch ist dieVermehrung an Arten oder Gattungen ganz unbedeutend und meist nur Gar-tengewächse oder Obstbäume betreffend.
In Bezug auf letztere bemerken wir noch die Angabe des Plinius, daßder Oelbamn (nach Fenestella) 173 Jahre nach Roms Erbauung noch nicht inItalien gewesen sein soll, wohl aber sei er zu seiner Zeit über Italien, Gallienund Spanien ausgebreitet gewesen. Früher als Obstbäume kultivirtcu dieRömer die Rebe. Schon Numa erwähnt des Weins, indem er befiehlt, sichseiner bei Todtenopfern nicht zu bedienen, da er damals noch zu theuer war.Kato kannte bereits acht Sorten. Ihre Weinbaumaximen wichen von jenen derGriechen nicht ab, ausgenommen das Streben, die Neben so hoch als möglichaufzuziehen (auf Bäume, Pfähle rc.) Der Gebrauch von Fässern, von Keil-und von Schraubcnpressen, von besonderen oft sehr quacksalberischen Zusätzen zumWein, Weinproben in Epheubechern oder mit Gerstenmehl waren allgemein