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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Aeltere Geschichte. 27

üblich. So stark wuchs indessen die Zahl der Rebsorten und Weine, daßschon Virgil singen konnte:

Wer sie zu lernen verlangt, der verlangt auch der libyschen EbneSandgewühl zu erforschen . . . (Eeorz, 2, 103.)

Endlich stellt Plinius den Satz auf, daß ebensoviele Weinsorten wären,als Gegenden, in denen sie erzeugt würden. Sehr ausgebreitet und äußerstwerthvoll ist endlich Colmnellas Abhandlung über den Weinbau, der einen großenTheil seiner Werke ausfüllt. ^ an

Zu den Römern kam die Feige entschieden aus Griechenland, Kleinasien,zunächst wohl aus Unteritalien. Plinius meint, aus Chalkis und Chios. Be-reits Kato kannte schon sechs Feigensorten und Columella, Macrobius u. a.

32 Abarten, von denen die Sorten Kleinasiens immer die ge-schätztesten blieben.

Aus den Gärten (Iwrtus) der Römer ward nach Plinius später die Billaderselben. Die römischen Villen gehörten zu den reichsten Gartenanlagen der2r>elt. Was die Gemüsepflanzen und Obstbäume betrifft, so hatten sie nichtblos Alles, was Griechenland besaß, sondern noch weit mehr Abarten, wie dennleicht zu denken ist, daß die Ouelsp aller höhern Gartenkultur der Luxusden Erfiudnngssüchtigen dabei fördernd an die Hand ging, wie er Alles sam-meln half, was in den entferntesten Regionen sich vorfand, um zuletzt jene Lust-gärten mit den prachtvollsten Gebäuden, Bädern, Bibliotheken, Turnsälen undTheatern, mit Wein-, Oliven-, Obst- und Gemüse-Abtheilungen, mit Rasen-flachen, Bachen und Teichen, mit wildem Hain- und Lustgebüsch selbst in sehrmamngsaltiger Umzäunung zu schaffen, wie man uns schildert.

Viel reicher an Wiesen waren die Römer als die Griechen, denn auchabgesehen von der nördlicheren Lage, den hohen waldreichen Apenninen, vielenSumpfen und größerem Wasserrcichthum überhaupt, so war auch dazumal aufWiesenvegetation sicher zu rechnen, wenn dort, wie Theophrast sagt, die schön-tu Sachen selbst in der Ebene wuchsen. Auch ist Wiesenpflege ein bedenten-.t^Eel in ihrer Schrift, namentlich was Bewässerung und Entwässerungetristt, die übrigens auch auf Felder volle Anwendung fanden. Einer ArtHangbewässerung erwähnt Virgil und Plinius sOoorp. 1, 1001.Soviel nurmöglich, sollen Wiesen bewässert werden," sagt Kato,ja das Feld, was gün-'"ß M Bewässerung liegt, werde am besten in Wiesen verwandelt." Doch be-merkt schon Columella, daß fette und sehr gute Wiesen nicht mit Nutzen bewäs-sert würden, da das Heu dadurch an seiner Güte verliere. Alte Wiesenwurden verjüngt, indem man sie mit dem Pfluge ausbracl; und drei Jahrelaug mit Getreide besäete. Das dritte Jahr wurden sie mit Wicken und Gras-samen besäet und dann wieder als Grasland bewässert. Dieses fing an unmit-^ Tag- und Nachtglciche und hörte auf, bevor das Gras inBlüthe trat. Auf den Wiesen begann es gleich nach der Heuernte wieder undaus den Weidclänbereien fand es in bestimmten Zwischenräumen statt. DasHeumachen geschgh, wie bei uns, nur ward es in Windel gebunden.

Nächst den Produkten der Wiese sind es aber noch gar viele andere Stoffe,die dem Vieh, vorzüglich den Zugochsen, verfüttert wurden, wie Eicheln, Buch-eckern, Kastanien, Wcintrcstern, Weizen- und Gerstenstroh, Bohnen-, Wicken-und WolfSbohnenhäcksel, Grünfutter und Gras, künstliche Futterkräuter über-haupt, vorzüglich aber stark war bei dem Römern die Benützung des Baum-laubes, zunächst von Ulmen, Steineichen, Pappeln, Weiden und Epheu. DieseBaume und Gesträuche wurden selbst dazu ordentlich beschnitten (Kato), das