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Landwirthschcist.
Glücklicher war unter Römerherrschaft Brittanien, welches an der Küsteherum schon sehr wohl bebaut war, welches selbst Weinbau trieb, wie dieRömer erzählen, und in die schon starkbevölkerten und durch Krieg sehr ver-wüsteten Rheinprovinzen Getreide auf 500 Lastschiffen ausführen konnte.
Im Innern des Landes mag es aber auch noch traurig genug ausgesehenhaben, zumal wir von Wallis wissen, daß dort dem verboten war zu pflügen,der nicht auch einen Pflug machen könne, daß die Stränge aus Weidenruthengeflochten waren und selbst um einen solchen elenden, von Einem Ochsengezogenen Pflug, in Thätigkeit zu erhalten, standen 6—8 Personen zusammenund bestricken aus gemeinsamen Kräften den Auswand. — (Die erste Spurlandwirthschaftlicher Vereine!)
Als nun die Angelsachsen das Land unterjochten, ward vollends das garvernichtet, was Pikten und Scoten von der Römer-Kultur noch übrig gelassenhatten. Vieh, zumal Schasheerden, bedeckte fortan in großen Zügen dieLändereien, die beliebten Schweine dehnten sich über Gebühr im Vieh-stande aus, das germanische Verhältniß zwischen Herrengut und Mansenoder Gut der Unfreien trat ein, Pächter (eeorls) wurden gesetzt undder Pachtzins iu imtura, Geld oder Arbeit ward festgestellt. Ueber keinanderes Land haben wir indessen eine deutlichere Darstellung uralt landwirth-schastlichen Betriebes, als über den der Angelsachsen durch den alten Kalender,den uns Strutts treffliches Werk mittheilt. Räderpflug, Umbruch und Saatim März, Mähen, Ernten, Dreschen, Holzfällen, Schafschur, Jagd und Lust-barkeit im Winter sind so dargestellt, wie es uns auch die fast gleichzeitigenLapitularicn des großen Carl vermuthen lassen.
Indessen aber hatte Brittauien seinen ersten Aufschwung in landwirth-schaftlicher Beziehung den bald sich hier sehr mehrenden Klöstern zu verdanken,wovon wir mehr sagen wollen, wenn wir des großen fränkischen und römischenKaisers Carls Zeiten und den Zustand der Landwirthschaft zunächst vor undnach ihm in Mitteleuropa betrachtet haben werden.
Jagd und Krieg blieb auch in den Tagen Carls des Großen die Haupt-beschäftigung des freien Deutschen. Doch aber war schon der Grundbesitz festund mit seinen Segnungen traten auch die Uebel ein, welche bei Mißjahren,Viehseuchen und verheerenden Kriegen über die sich mehrende Population derUnfreien, der Mancipien und des Gesindes hereinbrachen. Besseres Beispielvon den Fürsten, die zunächst Ihr Eigenthum (az-vr äominiealls, äominimn,äomaino) sorgfältiger zu bewirthschaften strebten, dann die oben angeführtenUnglücksfälle, sowie die friedlichen Folgen, welche dem festen Grundbesitz undseiner Ackerbaurente entsproßten, waren es zunächst, was auch größere Sorg-falt auf den landwirthschaftlichen Betrieb der Güter von Seite der Landcigenenhervorrief. Noch waren sie auch Herrn von Wald, Jagd und Fischerei, vonFlüssen und Straßen, Metallen und Salz und noch keine Negalienlehre wagtesich in die Gauen Germaniens. Der Leibeigene aber strebte nach Freiheitund wie ihm dieses nach vieler Jahrhunderte Bemühen durch so viele Phasenveränderter, mehr oder »linder sich erhebender Knechtschaft gelungen ist, zeigtdie Geschichte. Schon milderte das Christenthum, noch mehr die geistlichenStiftungen gegenüber weltlichen Besitz — sein Leos, verbanden sich ihn da-durch zum Schutz und ließen ihn als Kolonen, Aldionen, Lytus, Ministerialenund Zerozensualen rc. vorerst in die Vorhallen politischer Freiheit eintreten.Seine Dienste wurden gemessen und in Urbarien, als seinem ersten Gesetzbuche,von den Klöstern verzeichnet.
Aber noch mehr als Musterwirthschaften des Kaisers und der Geistlichen