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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Mittlere Geschichte.

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oder ihre Verordnungen selbst wirkte für höhere Blüthe der Landwirtschaftder Bau der Städte, der sich freilich erst später entwickelte und die Ein-wanderung von ackerbaukundigeu Flamändern und Niederländern, von denenwir nach Erwähnung der Schriften des großen Carl sprechen wollen.

Wir besitzen von ihm bekanntlich eine Verordnung über die Bewirth-schaftung seiner Güter (tlnpitulnre äo villis vel eurtis iwperatoris) und dasnach seiner Vorschrift verfertigte Inventar einiger Kammergüter (Speeimeukreviaiii rerum tise-ckimn Oaroli tck.), die wichtigsten Aktenstücke deutscherLandwirthschastsgeschichte für noch einige Jahrhunderte, ja bis 1500 begegnetuns nichts Besseres mehr.

„Wir wollen, daß unsere Landgüter, die wir zur Besorgung unserer„Wirthschaft eingerichtet besitzen, nur uns gänzlich dienen und nicht andern„Leuten, daß unser Gesinde gut unterhalten und von Niemanden vertrieben„werde."

So beginnen die Capitularicn und zeigen somit, daß es dem Kaiser vorAllem nur um Seine Güter zu thun war, — um die Bewirthschastung deranderen durste er sich nicht einmal bekümmern — daß es zunächst die besteControle über die Leibeigenen durch seine Verwalter, daß es endlich dieControle dieser selbst war, was er bezwecken wollte.

Ein wichtiger, für die Landwirthschaft äußerst empfindlicher Punkt wardvon Carl angeregt, der, obgleich schon früher von den Bischöfen verlangt —doch durch sein Beispiel erst volle Geltung fand und reichlich alles Gute wiederaufhob, das Carl durch seine Musterwirthschaft sonst gestiftet hat. „Wirwölkn, heißt es, daß unsere Beamten von allen Wirtschaftszweigen denZeyenten vollständig zu den Kirchen geben, die auf unseren Herrengüternsind" . . . . und das ist nächst dem Ausfuhrverbot des Getreides und derFixation der Getreidepreise, die aber nur illusorisch blieb, das übelste, wasCarl für alle Zeiten thun konnte. Indessen hatte schon Chlotar den Geist-lichen den Zehenten von den Schweinen (500) eingeräumt. Genauere Be-stimmung von Maaß und Gewicht, nicht minder der Arbeiten und Abgaben,dann der guten Unterordnung seiner Diener und ihre Belehrung nebst In-struktionen und Rechnungsstellen, Hebung der Pferdezucht, der Vieh- wieBienenzucht überhaupt, große Fürsorge für Garten- und Obstbau, Weinbauund Fischerei, Rodung von Waldland und besseres Bauwesen, wie gute Ge-werbslcute überhaupt — das Alles zu erzielen faßte Carl seine Capitularicnab. Was aber insbesondere einzelne Betriebszweige betrifft, das wollen wirnun der Reihe nach mit Hülfe dieser Capitularicn sowohl, wie der Geschicht-schreiber jener Zeit und der Urkunden folgen lassen.

Die Felder wurden nun regelmäßig umzäunt und erst nach völliger Ab-erntung der Gemeinhut (Allmende) wieder eröffnet; im Juni ward gebracht(Brachmonat) und als Zugthier zumeist die Ochsen, noch mehr Kühe, sehrselten die Pferde gebraucht. Düngung fand Statt, aber spärlich und über dieUnfruchtbarkeit der Felder ward häufig geklagt. Die ältesten Feldeintheilungenwaren freilich wohl Zweifelderspstem, Koppelwirthschaft, Brand - Hackwald-und Egartenwirthschaft nothgedrungen die der zahlreichen, selten düngendenund schlecht vorbereitenden Halbnomadenstämme, es brauchte dazu römischerLehrmeister nicht. Sommerbau war in ältester Zeit vorherrschend, denn Win-tergetreide erfror damals selbst regelmäßig am "Rhein (Plinius). Es gingalso leere Brache vor Sommerbau und als man später fand, daß das Feldallerdings noch eine Frucht tragen könne, als die Wälder gelichtet wurden

Neue Encyklopädie. Band I. Nro. 2. Z