Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
34
JPEG-Download
 

34

Landwirthschaft.

und das Klima milder ward, da baute man nachher noch die Winterung an.So auch zeigen es Urkunden (Anton). Also Sommerung, Winterung, Brächet

Indessen im 15. und 16. Jahrhundert schon ward mit den klimatischenAenderungen der Sommerbau immer ungewisser und so kam man darauf, derjetzt einträglicheren Winterung die erste Stelle nach der Brache zu geben. Indieser Gestalt und auf natürliche Weise ohne Gesetz oder politisches Statutentstand die Dreiselderwirthschast, welcher übrigens Hackwälder-wirthschaft und Gereuthbrennen, Torfmoorbrandwirthschaft/Koppel- und Egartenwirth schaft als natürliche Vorläufer dienten —alle noch bis zur Stunde neben einander bestehend, nur nicht mehr ausschließ-lich im Vorrang, sondern da eine jede, wo sie am passendsten ist. Das abersind sie häufiger, als man glaubt, wie v. Thünen gezeigt hat.

Was die oben genannten Urkunden Uns mittheilen, das versinnlicht nochbesser der von Strutt mitgetheilte altangelsächsische Kalender, der nach allge-meiner Annahme aus dem 11. Jahrhundert stammt und jedenfalls Sitten undGebräuche darstellt, die dazumal schon lange in Uebung — also schon altwaren. Beginnt man mit dem Februar, dessen Lustbarkeiten auch in ältererZeit jenen des Januars eher vor- als nachgingen, so trifft aus den Märzdie Arbeit der Rodung im Neuland und Saat auf die rauhe Furche nachältester Sitte, auf den April Gartenarbeit und Baumschneiden, auf denMai die eigentliche Feldarbeit mit dem Pflug (4 Ochsen nebst Führer), denJuni Holzarbeit, August mit der Ernte, September mit Schafschur,Oktober mit Scheunenarbeit, Dreschen und Sieben, Messen mit Korbholz,Streichmaaß und Meßkorb, November für Schmiedearbeit, Dezember undJanuar aber für Falkenjagd (Vogclspiel) und Wildsauhatz!

Gerste und Roggen waren allbekannte Halmfrüchte in Deutschland undFrankreich der ältesten Zeit, der letztere wohl mehr bei den germanischenStämmen als bei den celtischen, da Cäsar seiner nicht erwähnt. Uralt beibeiden ist der Spelz -und der Haber. Auch Bohnen, Linsen, Erbsen, Hirseund Fennich sind schon im Anbau. Ebenso Lein, Hanf und Hopfen!

Räder- und Hakenpflug, mit Sech, Rister und Schar, erster vielleichtso, wie ihn Plinius von Rhätien schildert, oder wie sie in Strutts Sammlungabgebildet sind, Sicheln und Sensen, Spitzhauen und Schaufeln sind die be-kanntesten Werkzeuge.

Der Diebstahl am Pflug oder an Feldfrüchten wird sehr hart bestraft.

Nach 1214 ward im schottischen Parlament beschlossen, daß jeder, der4 Ocksen oder mehr Zugvieh habe, sein Feld mit dem Pflug bearbeiten müsseund 14 Tage vor Lichtmeß anzufangen habe; die Anderen sollten durch Um-graben so viel anbauen, als sie zum Unterhalt nöthig hätten. Ueberhauptaber scheint Schottland und das englische Gränzland noch lange sehr weit inder Landwirthschaft zurückgeblieben zu sein, was wir an England selbst, trotzder verheerenden Einfälle der Dänen zur Zeit angelsächsischer Herrschaftoder der Eroberung durch die Normannen und der folgenden Bürgerkriege,nicht beobachten können. Gerade durch die letzte Eroberung kamen die schonindustriellen und ackerbaukundigen Niederländer und Nordfrankreichs Bewohnernach England und brachten viel nützliches Neues mit. Schon 1350 erzähltdie Fleta viel Treffliches von Seicht- und Tiefpflügen, von Brachbehandlungund Viehzucht rc. — zu einer Zeit, als man in Frankreich und Deutschlandnoch an dem Nachlasse Carls zehrte oder den spärlichen guten Rathschlägender Klöster und Stifte folgte. Daß auch übrigens die englischen Klöster denen