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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die LanLwirthschast.

bildeten; dann Koppelweiden, wenn einer oder mehrere das Recht der Hutungaus eines andern Wcidefläche hatten; endlich die allgemeine Hntung nach derErndte aus Wiese oder Feld. So unterscheidet sie der Besitz, wie die Natur? ist hier nicht wesentlich.

Bom Anbau künstlicher Futterkräuter findet sich in dieser Periode nochlange keine Spur. Zwar vermuthet man mit Recht den Bockshornklee imkoenuAroc: der Kapitulant!!, allein er wie tabue Moores waren wohl Gcmüse-und Medizinpflanzen. Nur Wickenbau, selbst als Mengsutter, könnte vermuthetwerden, aber was Anton für Klee hält, wild oder gebaut, läßt sich darauferweislich nicht beziehen. Wohl kennt Petrus dc Crcscentiis den Wiesenklee,nur aber als Kennzeichen einer guten Ackerkrume.

Mit den reichen Wiesen- und Wcideländercien bei geringer Bevölkerungließ sich freilich leichter und länger ohne Hülfe durch den Ackerbau Viehzuchttreiben, als dieß im Süden Europas der Fall war, wo aber auch um so frü-her die höhere Gesittung eintrat, die vollkommener Ackerbau bringt. Der größteReichthum der alten germanischen Stämme lag in ihren Heerden und überNichts auch sind ihre Gesetze strenger und weitläufiger als was Weideangelegen-heiten und Sicherheit der Heerden betrifft.

Vor Allem auch Pferdezucht ward damals befördert und so hoch warddas Pferd als Kriegsgefährte geachtet, daß man es nicht zum Zug brauchte,und selbst König Chilpcrich noch lieber im Ochsenwagcn fuhr. Die erstenStutercicn hatten salische und ripuarische Franken. Sehr viel dafür that Karl,zumal zur Vermehrung der damals edelsten Race Germaniens, der thüringischen.Bevorzugt ward vor andern Dienstlcutcn der Marschalk (Pferdeknecht). Auchdie von Limousin und von Morvaut in Frankreich wurden schon geschätzt.Pferdefleisch man allgemein, bis es der Pabst verbot und die Pferde selt-ner wurden. Wenn, wie Dio Cassius sagt, germanische Reiterei im Galoppüber das Eis der Donau sprengte, so waren ihre Pferde wohl beschlagen undgeschärft; erst 1185 ist ausdrücklich von Hufeisen die Rede. Eigenthümlichsind die fast wilden Stutercien in den Wildparks in Deutschland und England.Nach englischem Brauch mußte ein Hengst vierzehn Fäuste, ein Stute dreizehnhoch sein.

Auch Molkereien wurden schon zahlreich errichtet und Käsebercitung mußstark gewesen sein; sie wurden in Formen gepreßt (daher iormochum, kormuF-xlo, krornage). Weniger ward Schmccr (später Schmalz, dann Butter genannt)bereitet.

Eichenwälder und Sumpfland, rasches Wachsthum, rauhe Kost, geschmei-diger machendes, fettes Fleisch, das sich in rauchiger Hütte so wohl erhieltund noch verbesserte das wohl war es , was unseren Altvordern in derHeimath, wie in Britannien oder in Gallien die Schwcinzucht so licbwcrthmachte. Wodan selbst verhieß Schwcinfleisch im Himmel! Vor Allem auchdeßhalb stand der Wald im Werthe, vielmehr der Eichelmast halber, als wegenHolz selbst oder auch Wild. Jahre, in denen Eicheln und Bucheln (Ekern)gut geriethen, waren damals wohl viel häufiger, als jetzt, da man sonst kaumso große Heerden in Rechnung daraus hätte halten können. Ein solches Jahrward so hoch, wie jedes gute Erndtejahr geschätzt.

Zu der täglichen Hofhaltung des Erzbischoses von Köln wurden vierund-zwanzig große und acht mittlere Schweine geliefert. Der Abt zu Korveibrauchte täglich fünf fette Schweine, ein nicht feistes und zwei Ferkel. Aufdreißig Sauen ein Bork! Schon im vierzehnten Jahrhundert mußten indessen