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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Miniere Geschichte.

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die Schweine häufig im Stall gemästet werden. Nur geräuchert oder gekochtbefahl der Pabst das Schweinfleisch zu essen. ,

Um so schlechter mochte das Schaf, zumal der Wollgüte nach, gedeihen.Dennoch war schon in sehr alter Zeit englische Wolle geschäht, die Gallierbedeckten selbst ihre Schafe und auf Karls Hosen finden sich überall auchSchafe; nicht minder auch auf den spätern' Schwaigen. Die Schafschur ließ^önig Ina in der Mitte des Sommers halten, nach Strntts Kalender ichenitsie gegen das Ende zu fallen und in Deutschland fand sie im zwölften Jahr-hundert schon im Mai statt. . ^ _

Was den englischen Schafzuchten, die flämischen Wollwcber und Tuch-fabriken, das wär den Deutschen später die aufblühende Industrie ihrerStädte. In England war damals die edelste Wolle. Ja, ein alter englischerSchriftsteller behauptet sogar, daß von England aus nach Spanien die Meri-nos gekommen seien, was man freilich nicht glaubt. Ein Baron besaß dortoft 20,000 Schafe. Daß dieß der Bodenkultur nicht förderlich war, ist gewiß;und dennoch führte damals England auch Getreide aus! Umgekehrt jetzt;aber das ändert die Population und die mit ihr nicht immer, zumal nach Be-dürfnissen nicht gleich fortschreitende Produktion und der Reichthum der Kon-sumenten.

Freie Waldbcnütznng und häufiges An- und Jnwohnen der Wälder sindHauptursachen bevorzugter Bienenzucht bei den Völkern in ihrem Urzustände.Auch bei den Deutschen war Waldbienenzucht in alter Zeit sehr ausgedehnt(Zeideln, Zeidelweide, ziedeln, siedeln, ansiedeln) und beruhte auf Gesetzen undVerträgen. Jeder Zeidlcr hatte sein eignes Revier und darin seine mit ein-gehaueneu Löchern (Beute) versehenen Zcidelbäume, wo seine Bienen siedelten.Auch die zahme Bienenzucht war schon sehr im Schwünge und Karl hatte vieleBienenstöcke und Biencnwärter auf seinen Höfen. Mit der Beschränkung derWälder, mit Wildbann und Forstrecht fand auch das Zeidclrccht seine Beeng-ung, ward Zcidlerwesen Sache des Unfreien und fortan kommt der Eidclariusnur mehr neben Mancipien und Barschälkcu vor. Sie waren jetzt den Wald-besitzern verbindlich und dienstbar.

Soweit denn reichen die Quellen für Feststellung statistischer und legis-lativer Momente laiidwirthschaftlichcr Zustände Mitteleuropas, Deutschlands,Frankreichs und Englands zumal nebe,? nun auftretenden slavischen Stämmen,vhne aber daß noch der Ackerbau unter den Gelehrten der Zeit eine tüchtigeFeder gefunden hätte, die für ihn schrieb oder daß er gar sich hatte ein wis-icnichaftliches Fundament geben können in einer Zeit, wo humanistisches undtheologisches Wissen Hauptstreben aller höheren Geister war.

Bis ins vierzehnte Jahrhundert noch bleibt für die Mutter allen Erwer-bes jede wissenschaftliche Regung aus und was dann erscheint, ist Samm-lung des Bekannten ohne leitenden Grundsatz oder rationelle Basis, mag esals oder »maison rustiguo" und ^bon oultivntour/ alsHaus-

vater" oder »res rustios« die Bühne betreten und immer wieder fällt Allesauf die römischen Autoren zurück und erzeugt das noch jetzt thätige Schreckbilddeslateinischen Bauern" beim einfachen Mann der Erfahrung.

Erst das achtzehnte Jahrhundert sah die Landwirthschaft als Wissenschafterstehen; bis dahin sei uns vergönnt, den Weg einzuhalten, wie wir ihnins jetzt verfolgt haben. In Italien vor allen, dem Lande erster weilMch nie ganz verschwundener wissenschaftlicher Regung im Mittelalter, er-stand Crescenzio, Senator von Bologna und schrieb schon 1300, freilich nurdie alten Römer kompilirend, ein Werk über den Ackerbau, das erst viel später