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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Mittlere Geschichte.

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der Beschreibe! flandrischer Wirthschaft, Einführe! der Rüben und des Noth-kleebaues (nach London» Sir Richard Weston (1645), Blythe (1649),Norden (1607), Hartlib, Hougthon und Worlidge (1668) eröffneneine Reihe von selbst theoretisch gebildeten und praktischen Landwirthen, wiesie andere Länder in dieser Zeit nicht hatten, welche dann auch die Grundlagedes mächtigen Baues bildeten, den Mortimer (1707), Bradley (1717), Bak-well, Liste (1757), Harte (1764), Arthur Uvung (1767), Marshall,Sinclair in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts aufführten,dessen Copie mit viel Glück in andere Länder übertragen und zur Verbesse-rung des einheimischen (wohl nicht auch zur Destruktion des diesen ange-hörenden Guten?) verwendet ward.

So weit denn die aufstrebende landwirthschaftliche Literatur in den Haupt-länderu Europas. Da aber diese Werke insgesammt noch keine wissenschaft-liche Grundlage haben, so können wir auch noch nicht vermocht werden, diestatistische, geographische Basis aufzugeben, auf welcher wir bisher unser Ge-bäude historisch - agrikoler Schilderungen aufgebaut haben , und dafür jene derwissenschaftlichen Entwicklung durch Mithilfe der Naturwissenschaften und allge-meinen Betriebslehre zu erfassen. Noch ist alle landwirthschaftliche Doctrin einAggregat von den mannigfaltigsten, im Haushalte zunächst nöthigen Dingen,von der knnstrcitcrische» Dressur der Pferde bis zur Hirschhatz und Falkenjagd,vom Recept zum Einpökeln und zur Stiefelschmiere bis zur Angabe nöthigerKüfer-, Wagner- und Maurerarbeit.

In England nun wurden im sechzehnten und siebenzehnten Jahrhundertdie größten Fortschritte in landwirthschaftlichem Betrieb gemacht. Zwar warder Anfang schwer und der größte Theil des fünfzehnten Jahrhunderts warmit Bürgerkriegen derartig ausgefüllt, daß nicht allein alle Künste und Wissen-schaften ruhten, sondern auch der Ackerbau in den größten Verfall kam, zumalja die Unterthanen der Landeigncr in die mörderischen Treffen ihrer Partheicngeführt und das Land so entvölkert wurde, daß die größer» Gutsbesitzer fortannicht Hände genug fanden, nm ihreSalgnter" oder Domänen zunächst umihre Burgen und Schlösser bebauen zu lassen. Sie ließen sie demnach zurWeide liegen und daß die Umgebung freundlicher war, ward sie gepflegt undrein gehalten, umfriedet und mit guten Wegen und Gehölzen umziert. Esentstanden so die Parks der englischen Großen (Loudon) und wenn dadurchdie englische Landwirthschaft überhaupt einen eignen Charakter gewann, derreiche Viehhaltung sehr begünstigte, so ist ihre allzugroße Ausdehnung dochschon im sechzehnten Jahrhundert für schädlich erkannt worden und selbst Ge-setze wurden zu ihrer Beschränkung gegeben. Von 1435 an, wo Heinrich VII.zur Regierung gelangte, bis in die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts genoßEngland Frieden und das war für dasselbe die Zeit hoher Entwicklung, ob-gleich das Verbot der Getreideausfuhr Anfangs nachtheilig wirkte. DiesesVerbot nämlich, sowie die große Nachfrage nach Wolle von Seite der flämi-schen Tuäffabrikantcn erzeugte großen Betrieb von Schafzucht und somit Nic-derliegen der Ackerbaukultur bei vorherrschender Weide.

Unter der Regierung Elisabeth's hatte der Ackerlmu schon eine mehrachtungswerthe Höhe erreicht, zumal in Essex und Suffvlk. Bewässern undTrockenlegen, Düngen mit Kalk und Mergel sind bereits gewöhnliche Dinge.Die Umfriedung (Heckcnanlagen) und Weidelandschaften mit Parks nahmen zu.Dennoch wird, um die Viehzucht zu schonen, 1563 verordnet, daß Niemandam Mittwoch und Freitag Fleisch essen solle! ^ . ,

Zu den namhaftesten Fortschritten landwirthschaftlicher Verbesserung in