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Die Landwirtbschast.
auf, der indessen schon lange im westlichen Deutschland im Zug war. SchonColerus erwähnt den künstlichen Rothkleebau, am Rhein war er von Brabantaus längst eingewandert und v. Münchhausen spricht auch (1762) von seinerschon alten Kultur. Welche Unsumme von Undank dieser Mann für seine Thä-tigkeit ärntete und wie erst das Gypsen (durch I. P. Mayer von Kupferzeitin den Ackerbau allgemeiner eingeführt 1769) den Anbau allgemein fördernkonnte, fällt der speciellen Betrachtung unserer Geschichte anheim.
Seit der Mitte dieses Jahrhunderts war auch der Kartosselbau allge-meiner geworden, vorzüglich trug die Theuerung von 1770—1772 dazu bei.
Was Lokatello und Kretschmar für die landwirthschaftliche Jnstru-mentalistik thaten, ward schon erwähnt und wir fügen hinzu, daß Borneund Orth nun auch Säemaschinen erfanden, und selbst v. Münchhausen einesolche angab (1742); Hacken und Eggen miteinander verband Schütz (1767),Igelwalzen empfahl Reichart, ein vierschariger Haken und dreischarige erschienenbald darauf, wie nicht minder zahlreiche Nachahmung der englischen, schweizerischenund französischen derartigen Maschinen. Seit 1700 hatte man auch schon sehrviele Dreschmaschinen verschiedener Art in Deutschland in Vorschlag gebrachtund Putzmühlen nicht minder. Münchhausen schrieb eine Theorie des Pfluges(1762).
Ein anderer charakteristischer Zug der raschen landwirthschaftlichen Bewe-gung in diesem Zeitalter ist das auftauchende tiefere Studium der Ursacheder Erdfruchtbarkeit. Wallerius hatte bereits seine Illmärlmenta LZri-eultuiso (Ramien (1762) herausgegeben und die Untersuchung der Physiologennnd Naturforscher überhaupt begannen, Reales zu versprechen. Dennoch liebteman noch sehr lange, vor Allem „liZono plillosoptmri", als aus dem Schachteder Naturwissenschaften sich Hülfe und Licht im Labyrinthe theoretischen Fort-schreiteus zu holen.
Eine vorwaltend landwirthschaftliche Ansicht von dem, was der Erde Frucht-barkeit ausmacht, kann insbesondere jene genannt werden, welche in eigenem„dumor, — oleum, — oder mmtuosum" das Wesen der Pflanzennahrung ver-muthete, insbesondere auch ward das „fixe Salpetersalz" dafür angesehen undDüngerpulver und Samen-Jmprägnationen vor Allem darauf hin componirt.Auch das Aufsteigen befruchtenden Dunstes aus der Erde Innerem, — einesehr alte Ansicht — war noch in Geltung (Münchhausen 1762). Nicht minderunbedeutend war auch das Licht, was man bezüglich der Krankheiten des Ge-treides (Rost, Brand, Mutterkorn rc.) aus der Naturwissenschaft holte und amschmählichsten ruht noch alle Verantwortlichkeit auf der thörichten oder betrüge-rischen Ansicht jener Zeit, daß Getreidearten und Gattungen selbst sich — raschzumal — in einander umwandeln könnten. Hat ja doch die allerneueste Zeitnoch immer gegen diese alle wissenschaftliche Behandlung der Landwirthschasts-lehre schändende Thesis zu kämpfen und zeigt somit klar, daß die große Massedes lesenden landwirthschaftlichen Publikums noch immer sehr wenige gründ-liche Vorbildung hat.
Mehr als irgend ein Zweig der Landwirthschaft wurden in diesem Jahr-hundert die staatsökonomischen und legislativen Verhältnisse der Landwirthe be-sprochen. Mit geringer Scheu und edlem Eifer nahmen sich die Aufgeklärtender Nation, Freie und Unfreie— Adel und Gemeine—der gedrückten Boden-bearbeitung an, das Gemeinschädliche der Frohnen ward erwiesen, das Gemein-nützliche der Ablösung der Dienste und Lasten, der Aufhebung der Leibeigen-schaft (Oldenburg und Dänemark! —), Theilung der Gemeinheit und großerGutscomplexe überhaupt ward entschieden dargethan und Oeder, Buchholz, Rein-