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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Neueste Geschichte.

Daß Thaer nicht minder die älteste Fessel landwirthschaftlichen Fort-schrittes, den Rest barbarischer Institutionen — den Zehent, in einer Zeitangriff, wo die Bodenentlastung bereits die aufgeklärtesten Geister des Zeit-alters zu ihrer Vertheidigung erhalten hatte, läßt sich erwarten. Mit Scharf-sinn wies er nach, daß der Zehent seltener vorn Boden, sondern vom Capitaldes Producenten bezogen werde, da der Zehentherr Nichts von den Ausgabenzur Erzeugung desselben beizutragen habe. Richtiger wäre der Zehent, wennvom Reinerträge bezogen. So aber sei er geradezu die Belastung des Fleißes.

Durch die Beschreibung der englischen Wirthschaftsarten, die er in Acker-oder^ Kornwirthschaften, Gras- oder Waidewirthschaften und Wechsel- odewgemischte Wirthschaften theilt, bahnt er sich den Weg zur Erläuterung desFruchtwechsels selbst, dessen Empfehlung und Einführung in Deutschland be-mnntlrch sein größtes Verdienst ist. Er sammelt zuerst alle bisher zerstreutenGrunde gegen die Brache und weisst die Unhaltbarkeit der gegenstehendenEinwürfe nach oder vielmehr er beweis't, daß alle Forderungen der Brachver-theidiger auch mit Anbau derselben — also mit voller oder uneigentlicher Brache— erfüllt werden können. Hätte Thaer aber nicht zugleich die Instrumenteder verbesserten Drillwirthschast, — Schäufler und Häusler — nach Deutsch-land gebracht und hätte man an den Kartoffeln nicht eine so treffliche Brach-frucht bereits gehabt, so möchte die Anerkennung seiner Ansichten noch langehinausgeschoben worden sein, ja sie wären wohl kaum noch in erheblicherAusbreitung.

Daß übrigens schon Reichard um Erfurt, wie die Erfurter, Bambergerund Nürnberger Ackergärtner, nicht minder die Brabanter oder die Bewohnerum Koblenz (Pellenz) schon Fruchtwechsel kannten und übten, ist längst er-wiesen, ebenso wie Thaer selbst von einem Bauern am Harz dasselbe angibt(engl. Landw. I. Bd. S. 250.)

Diesen zur Seite steht die Wechselwirthschaft von Norfolk, die freilichnur in besonderen Umständen den Grund ihrer so hohen Entwickelung barg,dann die Koppelwirthschaft von Holstein und Mecklenburg, wie die der Egartenrm süddeutschen Gebirgslande. Origineller war, wenn nian so sagen darf, dieEmsuhning des Drillsystems oder der Pserdehackenwirthschaft in Deutschlanddurch Thaer, welches seinem wahren, freilich auch seit Tüll sehr verändertenWesen nach daselbst noch fast ganz unbekannt war (Th. engl. Landw. I. Bd.S. 404 und III. S. 219.)

Was Du Hamel, Chateauvieux und D'Ebone von den Tull'schen Grund-sätzen in Ausübung brachten und auf dem Kontinent verbreiteten, war nachben Zeugnissen der Späteren ziemlich mangelhaft und ohne besondere Brauch-barkeit. Dennoch haben sie das Verdienst, die Frage schwebend erhalten, jasse selbst in England wieder zur weitern Beachtung gebracht zu haben. Jn-bfssen entschieden sich bald die Praktiker der Mehrzahl nach für eine mehreingeschränkte Anwendung der (besser so genannten) Pserdehackenwirthschaft.Säemaschinen kamen auf (Ducket und Cooke), Kultivatoren und Häusler wurdenberbessert und die endliche Verbesserung des ganzen Systems bei eingeschränkterAnwendung nur für die Brachsrüchte zunächst ward haltbar für immer in derPraxis festgestellt. Thaer selbst sprach gegen Uoung, der dem Drillen nichtb°ld war, mit wenigen Anhängern des stritten Tull'ismus dem Getreidedrillenund der Bearbeitung desselben in ausgedehntem Maaße Anfangs des 19. Jahr-hunderts das Wort.

Nicht minder groß als im Wirthschaftssystem war aber auch Thaer's Wirk-samkeit in den Haupthülfswissenschasten des Ackerbaues, in der Lehre vom