Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
55
JPEG-Download
 

Neueste Geschichte.

55

Korn bauen wolle. Nur aber gehe man dabei nicht plötzlich, sondern allmähligtiefer u. s. w. .

Obgleich unstreitbar von Interesse für mehr lokale Verhältnisse, so ent-behrt doch die mit so viel Eifer vorgetragene Lehre von der Trockenlegungdes Ackers durch Wasserableitungen unter der Erde (Underdrains) jenesgroßartigen Werthes, den sowohl Thaer wie seine Nachbeter selbst bis aus dreneueste Zeit ihr beizulegen bestrebt waren. Wie viel auch ward über dieseUnderdrains geschrieben, ohne die harthörige Praxis, die ihrer meistens nichtbedurfte, ihr geneigt zu machen! Und ist nicht erst neuerlich das Durchziehender Accker mit eisernen Rohren zum Auspumpen des Wassers oder Eintreibendesselben oder selbst von erwärmter Lust rc. mittels Dampfkraft patentirtworden ? Eine veredelte Constructivn von Underdrains!

Was vorzüglich auch noch Thaer's Zeitalter charakterifirt, ist das lebhafteStreben, durch sehr ausgedehnte Versuche landwirtschaftliche Controversen zuentscheiden oder überhaupt Fortschritte zu erzielen. Dieß geschah am meistenin England (Pvung, I. Andersen) und Thaer ahmte es nach (engl. Landw.U Bd. S. 316.)

Soviel auch in Deutschland unmittelbar von Thaer über den Kleebauüberhaupt und den des Rothklee's, insbesondere bei Stallfütterung geschriebenward, wichtige Grundsätze zur rationellen Begründung dieser Lehre fehlten dochnoch und eine Blaffe der widersprechendsten Ansichten waren in Circulation.Ob bodenvcrbessernd, ob aussaugend, ob und wann es Kleemüdigkeit gebe,ob 1 2- oder 3jährige Nutzung, ob er in's Sommer- oder Winterkorn zusäen sei und welche Stelle ihm in der Frnchtfolge gebühre all' das warnoch unentschieden. Die Zeit der Experimentalagrikultur hals dem ab. Schonseit 1763 hatte A. P v u n g in England entscheidende Versuche darüber ange-stellt, aber erst Thaer mußte den Deutschen davon Mittheilung machen undnoch mehr er wußte diese zur Geltung zu bringen.

Vorerst ward die goldene Regel festgestellt, daß der Klee gleich in dieerste Saat nach der Brache oder Brachfrucht folgen müsse. Es sei durchausschädlich, erst zwei Kornernten vorweg zunehmen. Einfache Düngung sei vor-theilhaster als doppelte.

Die geringste Ausgabe bei der Kleenützung sei, wenn man ihn abweide,mehrere beim Heumachen und die größte beim Samcnmachcn, welches auch diebedeutendste Bodenerschöpfung verursache.

Den Weißrüben- (Turnips-) bau von Norfolk und England überhaupt,den Mvhrenbau von Sussolk, Weißkohl mit einigem Gerüche nach riesenmäßigem,Steckrüben und Kartoffeln sind bei Thaer, zumal letztere, für die er nichtgeringe Vorliebe zeigte, sehr g»t schon in der englischen Landwirthschaft abge-handelt. Minder werthvoll und weniger neu ist seine Mittheilung über denIpeciellen Cerealienbau, der gerade seine schwache Seite nicht war. Dagegengewinnt Alles mehr Interesse, wenn von den Hülsenfrüchten, zumal den ge-drillten und mit der Pferdehacke bearbeitbaren Bohnen oder den Erbsen,Sommer- und Winterwicken die Rede ist. Was für den althergewohnten durchdie Drillkultur so sehr zu verbessernden Anbau der Hülsensrüchte, deren großenGehalt an Nadrungsstossen noch die Chemie nachwies,^ auch Alles geschah,dennoch wurden sie durch die Alles überfluthenden Kartoffeln, Thaer s Schich-tige, in den Hintergrund gedrängt. . . . ,

- Das Aussäen des Klees ohne Ueberfrucht ward verworfen, das Saat-D-uantum genauer bestimmt, das Aussäen unter Winterkorn, falls der Acker*ein ist, angenommen und behauptet, baß reine Kleestoppel, mit einer Furche