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Die Landwirthschaft.
umgebrochen, die beste Mutter des Weizens sei, ja daß selbst solches Land, wasohne Klee keinen Weizen tragen würde, nach selbigem gute Ernten gebe (!).Mit Sicherheit dürfe man aus Klee nur 1 Jahr rechnen und überdieß werdeder Acker allerdings kleemüde, wenn öfter als alle 9 Jahre oder gar alle3—4 Jahre Klee darauf komme. Nicht minder hatte Thaer richtigere Grund-sätze über die von Tüll, Chateauvieux und Harte in Reihen, ja selbst garten-mäßig zu kultiviren empfohlene Lucerne aufgestellt. Ohne den hohen Ertrageines gut behandelten, gedrillten Lucernefeldes zu bestreiten, verwarf er dochkeinesweges das Breitwürfigsäen, wie es auch Roqucs in England empfohlenhatte.
Endlich suchte er nach Marshall's Vorgänge zu beweisen, daß nur Kalkim Boden das Gedeihen der Esparsette sichere. Daß englisches Raygras,Fuchsschwanz, Timotheus- und Hafergras rc. empfohlen wurde nach Gebühr,läßt sich erwarten.
Was ist doch in dieser Lehre des künstlichen Futterbaues seit Thaer bisin unsere Zeit wesentlich Neues zu Tage gefördert worden? Ist er nichtnach wie vor noch die Grundlage unserer neuesten Autoren geblieben?
Noch betrübter tritt diese Wahrnehmung bei der Lehre des Wiesenbauesund der Bewässerung insbesondere hervor, in einer Doktrin also, deren Aus-bildung man fast ganz unserer Zeit zu vindiciren geneigt ist.
Fürwahr, es ist sehr niederschlagend zu denken, wie in wenigen Wieder-holungen sich fortschleppend seit fast 50 Jahren deutsche und auch europäischeLandwirthschast im Kreise herum sich bewegt hat und immer wieder und immerdie alten Sätze uns vorlegt. Wir glauben indessen fest, der Grund davonliege in der so äußerst geringen und langsamen Beachtung der ausübendenPraxis, die, von den meisten, herrschenden Klassen unserer modernen Staats-gesellschaften bis zum Unerträglichen belastet, ja erdrückt — größtenteils Lust,Mittel und Kraft verloren hat, ferner den Reinertrag, oft gleich das Kapital,mit hundert anderen nichtserzeugenden Parasiten zu theilen. Auch hierin rückenwir indessen der socialen Krisis immer näher.
Thaer theilt schon, wie noch jüngst Lengerke und Andere die Wiesen einin an Flußusern oder an feuchten Stellen zwischen Aeckern liegende, in quelligteund moorige Wiesen. Nur feuchte Wiesen sollen solche bleiben, alle übrigenzeitweise in Aecker verwandelt werden, wenn sie nicht bewässerbar sind. Nichtminder erhalten sich seine Grundsätze über Anlage neuer Wiesen, üher Wiesen-düngung und Wiesenpflege, endlich aber über Bewässerung^ deren ganzen hohenWerth er sogleich erkannt hatte.
Nachdem er uns von den Wiltshirer Bewässerungswiesen — die schonseit 100 Jahren bestanden hätten, im I. Bd. d. engt. Ldwthsch. erzählt undeine Hangbewässernng sehr trefflich geschildert hat, sübrt er-dieß supplirendviel vollkommener im III. Bd. S- 542 aus. ^
Ueberstauung und Ueberrieselung werden unterschieden, die Vor-fragen zur Einführung beider vorher festgestellt, Methode, Zeit, Vortheileund Theorie überhaupt angegeben.
Obwohl er von dem Rückenbau der Eigener nur vom Hörensagen weiß,so beschreibt er doch den Beetbau ganz trefflich (I. o. S. 549) und erläutertsehr vollkommen die ihm vorgehende Literatur.
Auch der für Haiden und Moore und für Flächen, die eine schlechteKrume haben, insbesondere zu empfehlenden Methode des An- und Beschläm-mens — wie dieß auch anderwärts , zumal in Italien (Fossombroni) weiterausgebildet ward, — huldigte er sehr.