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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Mangeln seiner Ansichten fast Alles holte er auf diesen Reisen durch Flan-dern und Brabant, in den sandreichen Lütticher- und Brabanter-Kämpen biszur fruchtbaren Niederung der Scheide.

Auf dem Gute Lexhi bei Lüttich schrieb er 1806 den ersten Band seinerAnleitung zur Kenntniß der belgischen Landwirthschaft, der 1807 zu Halle er-schien, dem 1808 dann der zweite folgte. Thaer's sehr günstige Recension bahntediesen Werken offenbar den Weg, den zu behaupten der innere Werth mehrals hinlänglich war. Voll trefflicher Regeln ist auch sein 1808 erschienenesHandbuch (Ackerbau und Baumpflanzung) für das damalige Rhein- und Mosel-Departement. Durch Lezai's Gunst erhielt Schwer; 1810 die Stelle einesInspektors der Tabakpflanzungen eines großen Theiles des Elsaß, dessenLandwirthschaft er studirte und in einem trefflichen Werke (1816) beschrieb.Indessen war schon 1811 sein letzter Band über belgische Landwirthschasterschienen.

Im Jahre 1812 begleitete Schwer; den 17jährigen Fürsten Wrede indie landwirthschaftliche Anstalt von Felle nberg in Hofwvl, konnte sich abernur kurze Zeit dort aushalten, wo er den Sommer hindurch Fellenberg imUnterricht ersetzte. Damals lieferte er die treffliche und wahreBeschreibungder Fellenberg'schen Landwirthschaft", welche 1816 in Hannover erschien.

Nach Lezai's Tode reiste Schwer; in die Heimath, die indessen 'preußischgeworden war, und kam nun durch die Vermittelung des vortrefflichen, west-phälischen Oberpräsidenten v. Vinke als Regicrungsrath in preußische Dienste.Westphalen und Rheinland wurden nun von ihm landwirthschaftlich bereist undin vier Abhandlungen beschrieben, so daß der von Alters her hochstehenden,rheinischen Landwirthschaft nun der gebührende Ruhm zuerkannt ward.

Zu gleicher Zeit (1817) sollte Schwerz nach England gehen und bekamden Ruf von dem für Rcalwissenschaften unsterblichen Erzherzog Johann,wie vom König Wilhelm von Württemberg. Letzterem folgte er und er-richtete nun aus königlichem Austrage und unter der Huld der trefflichen KöniginKatharina 1818 das landwirthschaftliche Institut zu Hohenheim. Er gab schon1821 einen Bericht über diese, landwirthschaftliche Anstalt nebst dem dort ein-geführten Fruchtwechsel heraus, und erfreute sich reger Zunahme des Rufesund der Frequenz seiner Anstalt.

Weitab das beste, was Schwer; schrieb und was seinem geistigen Standpunktein der Litcratiirgeschickte vollkommen entsprechend ist, ist seineAnleitung zumpraktischen Ackerbau, Stuttgart 18231828; 3te Auflage, in 3 Bän-den, 1843, ein Werk, welches neben Thaer's und Burger's Lehrbüchern mitRecht vor Allem genannt wird. Mit dem sicbcnzigften Jahre allmählig, beson-ders am Gesichte geschwächt, verließ Schwerz die Anstalt, von Kömg undVolk gleich hoch geschätzt und mit Dankbezeugnngen ^überhäuft. Er kehrte inseine Heimath zurück, nichts erübrigend, wie sein trefflicher Biograph sagt, alsdie Ehre. Noch in seinen letzten Tagen gründete er aus eigenen MittelnSchwerz war unvermählt geblieben eine Waisenerziehungsanstalt, die nochjetzt als das Waisenhaus zu St. Barbara in Coblenz blüht. Die Abfassungreligiöser Schriften bahnte ihm den Weg zur Ewigkeit, den Niemand so leichtenHerzens als er antreten konnte.

Thaer hatte gleich bei seinem ersten Auftreten eine größere Verallgemei-nung landwirthschaftlicher Wissenschaft die breite Basis allgemeingültigerLehrsätze erstrebt und über den vorherrschenden provinziellen Geist seinerlandwirthschaftlichen Zeitgenossen geklagt. Hier nun in Schwerz sehenwir den vollendetsten Typus gerade dieser provinziellen oder auf engere