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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Neueste Geschichte.

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Aber was die landwirthschastliche Experienz, was ihre geläuterten Theorieenschon lange vor Liebig, was Hlubekder Rufer im Streit", was Zierl, Meiß-ner und Andere vorausgesagt hatten, das hat das Experiment im Großen be-stätigt, die Liebig'sche Theorie von der Pflanzennahrung ist in der Haupt-sache gefallen und der Stallmist wie der Humus, freilich mit höherer Würdigungihrer physikalischen Wirksamkeit ihres Verhaltens zur obersten Bedingungpflanzlicher Existenz, zu Wärme und Feuchtigkeit sind in Ansehen geblieben,die Landwirthschastslehre aber hat bewiesen, daß sie bezüglich ihrer geistigenPflege und wissenschaftlichen Grundlagen keiner andern Reallehre zur Zeit nach-steht, wenn auch ihr prakticircndes Publikum wie natürlich sehr variant ist.Sonst aber hat die organische und unorganische Chemie für Bereitung undAnwendung des gewöhnlichen Düngers, für Feststellung der Agronomie undPflanzen- wie Thirrphysiologie viel Brauchbares geliefert und in der Thatruht die größte Hoffnung der Zukunft in ihr. Nur aber bitten wir sehr, denStand unserer Angelegenheiten erst kennen zu lernen, ehe man resormirend sieändern will und jedenfalls nicht mit Geringschätzung von einer Kunst zu sprechen,deren Quellen so alt als alle Civilisation sind, die in der Praxis niemals sol-chen Vcrirrungcn und Thorheiten sich ergeben hat, als weiland die Goldmacher-kunst und die Laboranten auf den Homunculus oder den Weisenstein! Vergessenwir indessen nicht, hierbei doch der Männer zu erwähnen, welche auf der sichernBahn der Mäßigung schreitend, entschieden Nützliches in der Chemie der Land-wirthschaft geleistet haben, wie Lampadius, Otto und Sprengel, wie Mulder,Schulze, Meißner, Zierl, v. Frankcnstein rc., der Ausländer nicht zu gedenken.Auch Liebig hat neben letzter Erschütterung bestehender Falsa auch manchefruchtbringende Ideen zu besseren Neuerungen dem Landbau geliefert. WasDünger sei und sein Werth waren also neben hoher Wollveredlung und Zucht,neben ausgebreiteter Verwendung für Einrichtung von Landwirthschastsschulenund ausgedehntem technischen Betriebe sogenannter landwirthschaftlicher Gewerbedie hervorstechendsten Fragen und Eigenschaften der Landwirthschaft jüngsterZeiten. Ihnen gleich fast hob sich die Oekonomie der Landwirthschast selbst.

Seit Thaer auch für bessere Grundsätze im landwirthschaftlichen Rechnungs-wesen Sorge getragen hatte, seit v. Seutter, Gerike, Koppe und Döh-ler, De Crud die landwirthschastliche Verhältnißkunde und die Betriebslehrezur höhern Vollendung zu heben suchten, war ein vorher nicht erlebter Eiferin diesen Zweig der Landwirthschaftslehre gekommen und die allgemeineHaushaltungskunst der Alten blieb sürder nicht mehr ausschließlichesEigenthum der Staatsökonomen. Nächst den Naturwissenschaften hat aber jeneallgemeine Oekonomie der Landwirthschaftslehre die größte Hilfe geboten. Diereißenden Fortschritte jener sind bekannt und die hohe Vollendung dieser nichtminder. Dazu aber haben vor Allen Nebbien, Blok, Krause, Pabst,Veit und neuerlich Zeller das Erheblichste beigetragen, wie man sieht,die ersten Talente der Klaffe.

Auch die geographische Schilderung der Landwirthschast fremder Länderblieb nicht zurück, und v. Weckherlin, Schweißer, Lengerke, Göritz, v. Dresky,Possart, v. Reden und die höchsten Talente unserer Wissenschaft, wie Uoung,Thaer, Schwer;, Bürger sind uns Bürge des Fortschrittes dieses einzigenZweiges, der über die Nichtigkeit vieler Erfahrungen und ihren Werth zurErhebung von allgemein giltigcn Lehrsätzen entscheidet. Auch ein Versuchzur landwirthschaftlichen Geographie (1795) ist schon erschienen und Nichts wärewünschenswerther, als eine höhere Vervollkommnung gerade dieses Theiles land-wirthschaftlich historischen Studiums, besser Geographie der Agrikultur genannt.

Neue Encyklopädie. Band I. Nrv. 2. 5