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Die Landwirthschrst.
Haben doch sachverständige Reisende wie geistreiche Touristen in ihren Werkenaus dergleichen neuerlich treffliche Rücksicht genommen, wie wir aus Kohl'sReisen zu Genüge erfuhren.
Unter den Technikern landwirthschaftlicher Gewerbe ward seit Hermbstädt'sund Chaptal's glorreichem Vorgänge reges Leben bemerkbar. Dorn und Pisto-rius, wie Otto und Meißner, Schwarz, Duttenhofer, Siemens sen., Galt undneuerlich Balling und Kaiser haben sich im Detail und im Allgemeinen derselbenhöchstes Verdienst erworben.
Unmittelbar als Vater der landwirthschaftlichen Literatur, aber nicht sowohlals Kommentatoren, wie v. Münchhausen sie bezeichnen möchte, als Männerder Gesammtheit landwirthschaftlichen Wissens — groß in Theorie wie inPraxis und Lenker zum gemeinsamen Ziele des Ganzen — haben in ununter-brochener Reihe seit Thaer, Schmerz und Fellenberg sich Viele in der Geschichteunvergängliche Namen erworben, die wir zum Theil dem Gange der Sachegemäß schon aufgeführt haben. Sturm, F. L. Walther, E.'E. Andres, v. Hazzi,Bürger, Pohl, I. Fr. Schmalz, Blok, G. H. Schnee, Schönleutner^ Koppe,v. Ellrichshausen, Bolz, Elsner, v. Lengerke, Zierl, Sprengel, Pabst, Schweißer,Kirchhof, Crusius, Veit, Hlnbek, v. Weckherlin, Schulze rc., werden unter denDeutschen immer unter den Ersten genannt werden müssen, welche unsere Lehrein der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts zierten.
Entsprechend den Forderungen der Zeit hat sich der Bildungsgang derMenschheit einen neuen Weg gebahnt in unseren Tagen; — er hat neben demalten und schwer zugänglichen Castell humanistischen Studiums die Fahne deöReal-Wissens aufgepflanzt und sich nicht gescheut, auf sonnigen und fruchtbarenHügeln das fabriken-ähnliche Gebäude industrieller Thätigkeiten mit heilvvllemStreben zur Abwehr menschlicher Noth und zur Erreichung materiellen Sub-strats zu allem wahrhaft Hähern der Menschheit zu errichten, während diemorsche Burg altklassischer Gelehrten-Aristokratie sich noch an die tröst- undnutzlosen Privilegien vergangener Zeiten hält und um so hochmüthiger auf sieherabsieht, je enger sich die Gränzen ihres Territoriums ziehen.
Nicht gering war der Kamps, die Principien des Realen gegen die Kastender alten Zeit zur Anerkennung zu bringen! Gestehen wir's nur frei, daß esendlich anerkannt ist, wie nur die rechte Förderung der Befriedigung materiellerBedürfnisse dem niedergedrückten Geiste neue Kraft zur erhöhten Thätigkeitspenden kann und Armsein für eine Nation jetzt so viel heiße, als in Geistes-entwickelung zurückstehen.
Zuerst durch die erziehungssüchtigen Philanthropen des Anfangs des 19.Jahrhunderts (stehe Fellenberg) erhielten die altpedantischen Humanisten ernsteErschütterung und ihr eitles Mühen gegen das Bedürfniß der Zeit ward ver-geblich erfunden. In Frankreich zunächst waren Naturwissenschaft, Physik,Chemie und Mechanik zu den fast volksthümlichen Studien herabgestiegen und schon1794 wurde von Monge und Fourcroy die seolo ventrale ckes travnnxpnblies gebildet, aus welcher 1795 die seole pol^teetmigue hervorging. Baldfolgten dort mehrere ähnliche Anstalten, in Deutschland fanden sich in höherenBürger- und Realschulen kräftige Keime vor und ihnen gleichlaufend hattensich bereits (— der alten Ackerbau-Akademie Lüders zu Flensbnrg von 1769nach—) gegen das Ende des 18. Jahrhunderts Thaer's landwirthschaftlichenInstitut zu Celte und jene Anstalt Fellenberg's (siehe oben) zu Hofwyl eut"wickelt. Schon 1798 hatte Thaer im ersten Bande seiner Einleitung zur entsslischen Landwirthschaft einen Plan zur Einrichtung einer Akademie des Ackerbauesgegeben, eine Idee, die bereits fünfzig Jahre vorher durch Schreber und