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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Lrndwirthschaft.

empfohlen, da man die Erfahrung gemacht hat, daß Jene, die ihre Pflichtnicht erfüllen, Kollegien schwänzen, ihre Zeit vergeuden und ihr Leben ver- ^sietändeln sich weit mehr schaden, als nützen. Fern sollen gehalten werde»Vergnüglinge und Brodanbeter!"

das

Höh

Zeit

Wiesbaden.

Bekanntlich ging die landwirthschaftliche Schule in Nassau durch vieleMetamorphosen, ehe sie zu ihrer jetzigen Gestalt kam. Schon 1818 wurdeeine, Hofwyl nachgebildete, Schule zu Jdstein errichtet, deren CharaktcristikuMdie bei der Unterrichtsvertheilung vorherrschende Idee war, daß der wichtigste sxgxTheil des Unterrichtes die Praxis selbst sei. Ihr erster Director war W-Albrecht aus Nothcnburg in Franken, für Physik und Chemie war ihm Dr.Franke beigegeben, für die Praxis der Verwalter Haslach in nahen Hofezu Gossenbach. Sehr interessant war auch die Verbindung eines Schullehrer- Jxjjseminars zu Jdstem mit der landwirthschaftlichen Anstalt. Tie Zersplitterungder obern Leitung indessen in Albrecht, Grüner für die Schullehrer undHaslach für die Praxis war nachtheilig und nur mit Mühe rettete Albrecht .sich und sein Institut aus den Hindernissen. (Oek. Neuigkeiten 1822. IV.)

Um 1834 ward diese Schule nach Hof Geisberg bei Wiesbaden alsherzoglich nassanisches landwirthschaftliches Institut verlegt und unter dieDirection Albrecht's gestellt, zugleich auch mit den nöthigen Lehrkräfte»versehen. Später kamen dahin Mediens und Fresenius als Professoren.

Als besonders charakteristisch für die Wiesbadener Schule ist die eigenthünnliche Einrichtung zu betrachten, daß nur den Winter über' Vorlesungen gegeben Diewerden, im Sommerhalbjahrc aber gehen, die Zöglinge entweder zu ihren Ael- ^tern oder zu anderen Oekonomen in die Praxis und, sind gehalten, bei ihrer mRückkehr über die Verwendung ihrer Zeit Rechenschaft abzulegen. Doch aber ^bleiben mehrere auf Hof Geisberg zurück. Sonst wohnen die Zöglinge in der ^Stadt und genießen akademische Freiheit. " betr

Diese Einrichtung scheint uns überhaupt sehr viel für sich zu haben und ^ichgenauere Berichte über Fortdauer und Resultate derselben wären wohl von odegroßem Interesse. hier

Das Programm drückt sich bezüglich der Ausgabe des Instituts wie folgt dockaus:Es sollen hier weder gelehrte Oekonomen stndiren, noch sogenannte V»,Oberknechte zur Arbeit mechanisch abgerichtet, sondern selbstständige, denkende, (Gnach dem Grunde ihres Verfahrens forschende Landwirthe gebildet werden, dieeben, weil sie geistig angeregt, weil sie aus dem Schlummer des Herkömmt fch,lichen erwacht sind, auch keine körperliche Anstrengung scheuen, in der Arbeit ohihre Lust und im Gelingen ihren Lohn zu suchen."

Der Unterricht wird in 2 Curse vertheilt vorgetragen, von denen jederein Jahr dauert.

Die zur Anstalt gehörige Versuchswirthschaft ist Eigenthum des nassaui-schen landwirthschaftlichen Vereines und umfaßt nur 120 nassauische Steuer- bhemorgen, Acker-, Garten- und Wiesenland. der

Wiesenbauunterricht kann hier sehr vollständig erholt werden, v. Lengerke Hsi

gibt vom Jahr 1838 die Frequenz auf 30 Zöglinge an. - Ausländer zahlen »hr

für das Unterrichts-Semcster 44 fl. an die Jnstitutskasse. Für die Inländer ist tvei

der Unterricht frei und gibt es 16 Stipendien. Mit 100 bis 200 fl. für last

das Halbjahr kann man in der Stadt den Zöglingen Wohnung, Holz, Licht ZUr

und Kost gewähren, (v. Lengerke 1839.)