84
Die Landwirthschaft.
Jahren geschah dieß — in England vor Allen, sodann in den Niederlandenund Frankreich. Wenn man aber berechnet, um wie viel geringer der Bedarfan kräftigen Nahrungsmitteln in diesen Ländern ward, jetzt gegen früher, weilman zu sparen genöthigt war und bei Weitem schlechter lebte, als vordem, sowird der Mangel an Ccrcalicn oder der wahre Bedarf an Import derselbennoch viel größer ausfallen. Auch in einigen Theilen Mittelenrvpa's, in densehr bevölkerten Provinzen Westphalen, Nieder- und Obersachsen, in Schlesien,der Lausitz, Böhmen, manchen Theilen von Franken und Schwaben war esder Fall, daß die Beschränktheit an Zahlungsmitteln große Korn-Consumtionunmöglich machte. Insbesondere machte sich diese schlechtere Ernährung und dieAnwendung des so sehr verallgemeinerten Brod - Surrogats — der Kartoffeln —bemerklich in den Jahren 1842 und 43, als Mißernte und höchst ungünstigeErwerbsverhältnisse zusammentrafen. Daß nebenbei wieder die große Brannt-wein-Erzeugung viel Nahrungsstoff consumirte und auch sonst bei den Armenihren verderblichen Einfluß übte, brauchen wir nicht mehr zu erwähnen, wohlaber, daß selbst in dem getreidereichen Rußland diese Verschleuderung wichtigsterNahrungsmittel mehr und mehr um sich griff und den Export von Ccrealienaus seinen Ostseehäfen beschränkte. Um so ständiger blieben die emsigen undrastlos spcculirenden griechischen Kaufleute von Odessa auf dem Getreidemarkte,und wenn die Italiener auf demselben zugleich erschienen, so geschah dieß dochmeist nur mittelst südrusfischen — nicht italischen — Products. Selbst dieMoldau und Wallachei, Bulgarien, somit fast ganz Osteuropa, stellte sich indie Reihe der Kornverkäufer — ihnen entgegen der Westen als Abnehmer.
Für England, zum Theil auch Spanien und selbst Frankreich warb vor-züglich immer wichtiger die Mehleinfuhr aus Nordamerika. Die Nähe vonCanada bewirkte hier leicht, daß viel nordamerikanisches Gewächs, über dieGrenze geschafft, unter den bedeutenden Erleichterungen in England Eingangfand, die den kanadischen Provinzen zugestanden waren. Ueberhanpt ist zu«warten, daß bessere Cultur der Länder des britischen Nordamerika's mit derZeit ein bedeutendes Gegengewicht den Handelszügen der alten Welt entgegen-stellen werde, wie dieß sich denn auch mit den Vereinigten Staaten selbst,rvelche in ihren inneren Provinzen, zumal durch deutsche und irische Ansiedlung,so sehr agriculturstaatlich werden, in neuerer Zeit herausgestellt hat. — Daßaber diese Concurrenten den Absatz des deutschen Getreides, welches unter sosehr vielmehr erschwerenden Bedingungen erzeugt wird, überhaupt und in Eng-land insbesondere beschränken, läßt sich denken. In der That auch hat sichseit einigen Jahren diese Abnahme entschieden herausgestellt, — um so auf-fallender, als gerade kurz vorher — in den letzten dreißiger und anfangendenvierziger Jahren — der Export nach England bedeutender, als je zuvor war,
wie dieß von Gülich's Tabellen, auf die wir bezüglich der Zahlenbeweise
überhaupt verweisen, darthun. Diese Erscheinung trat vorzugsweise mit demunglücklichen Erntejahre von 1842 ein, und wenn auch die preußischen Ostsee-Provinzen noch lange Ueberfluß an Cerealien haben werden, so ist doch gewiß,daß die nach und nacb sich feststellende Bemerkung, daß auch das mittlere undwestliche Deutschland für seine sehr zunehmende Bevölkerung schwer hinlänglichCerealien baue und immer weniger zur Ausfuhr vorhanden habe, — es istsicher, sagen wir, daß diese Beobachtung, die am Export der Hansestädte baldgemacht war, sehr dazu beitrug, die Engländer zu bewegen, sich nach anderen,
reicher besetzten Märkten umzusehen, auf denen der Vorrath sicherer vorhanden
und eine Preisminderung eher zu erwarten war. Nichts möchte thörichter sein,