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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Neueste Geschichte.

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Schottland 5,255,000 bebautes,

5,950,000 unbebautes, aber culturfähiges,8,523,930 wüstes,

Irland . . 12,525,280 bebautes,

4,500,000 unbebautes, aber culturfähiges,2,416,664 wüstes Land besitze.

Die Gesammt-Consumtion Großbritannien's wird von den ausgezeichnetstenenglischen Schriftstellern (M'Eulloch) auf 4552 Millionen Quarter Cerealiengeschätzt. Davon ist in den letzten 10 Jahren manchmal der zehnte Theileingeführt worden.

Der Verbrauch des Brodkorns in Britannien wird rnit 12 MillionenQuarter Weizen angeschlagen. Seine Bevölkerung nach der damaligen Be-rechnung mit 25Millionen Seelen angeschlagen und davon etwa 7'/? Mil-lionen nur kartoffelessender Iren abgezogen also auf 18 Millionen berechnet,gibt den Quarter zu 480 Pfund auf den Kopf etwa 320 Pfd. engl.Nach Dieter ici fallen vom Brodkorne (zumeist Roggen) in Preußen 350Pfd. preuß. auf den Kopf der Bevölkerung jährlich. Da aber Roggen nur zuetwa ^ dem Weizeuwerthe gleich geachtet wird ( was wir aber für unrichtigund den Roggen für fast gleich' an Nahrungskrast halten aus hier nichtentwickelte reu Gründen), so würden nur 262*/) Pfd. aus den Kopf kommen,wen» in England, nach reducirtem Gewichte, aus den Kopf 310 Pfd. treffen.Indessen werden wir über deutsche Verhältnisse nachträglich mehr sprechen.

Von Frankreich haben wir erst kürzlich (Beilage zur Allgem. ZeitungNr. 31 d. I.) gehört, daß sich die Totalität des cnltivirten Bodens auf 20Millionen Hectare (von 52,768,610 H.), also aus nur 38 Procent der ganzenOberfläche beläuft. Die Masse des erzeugten Kornes aller Art betrage beieiner gewöhnlichen Ernte in Frankreich 183,000,000 Hectoliter und nach Abzugdes Saatkornes und des Hafers blieben mit Einschluß des durch Brauereien undBrennereien verbrauchten für das Individuum 0,94 Liter zur täglichen Confllmtion( darunter natürlich auch Mais und Gerste begriffen sind). Sehen wirferner, welche Fortschritte Frankreich auch an intensiver Cultur gemacht hat.

Die Geschichte französischer Landwirthschaft hat nur wenige Punkte, andenen sie einen besondern Aufschwung in Theorie oder Praxis der Agrikulturanknüpfen könnte. Außer der Einführung der Seidenzucht, verbesserter Wein-bereitung und dem Einflüsse, den hoch gestiegene Manusactureu und FabnkcnEst Eolonialhandel zumal zu Colbert's regsamer Zeit dem Ackerbauegönnen, ist keine höhere Regung für Landwirthschaft in Frankreich zu finden.Häufige, ja nie endende Kriege, noch mehr die drückendste Entwickelung einesAlles verzehrenden Feudalwesens, enorme Schuldenlast der Regierung, die sie-alle Landbau-Juteressen zu fördern verhindert, größte Gleichgiltigkeit auch fastaller Regenten gegen die Bedürfnisse der Landwirthschaft erzeugten endlichjenen fürchterlichen Zustand der Dinge gegen Ende des 18. Jahrhunderts oderdie Revolution, in der jene grenzenlos vernachlässigten Grundbedingungen staat-licher Existenz sich erst wieder regcncriren mußten, um fürder wieder den Haltfür ein neues StaatSgebäude zu gewinnen. Was die Kriegszeitcn und Napo-leons Regierung dem Ackcrbaue Förderliches brachten, was die Nealstudien unddie Naturwissenschaften ihm Hilfreiches boten, auch dieß ist in Kurzem znsam-rnengesaßt. Obgleich viele und die kräftigsten Hände jener im Kriege verlo-renen Millionen Menschen dem Ackerbaue entzogen wurden, so hatten doch diegemehrte Nachfrage, die sich hebende heimische Industrie, vor Allem aber und