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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

am Meisten die Errungenschaft der Revolution, die Bodenentlastung, einenäußerst günstigen Zustand des Landwirthes hervorgerufen. Ja es ist gewiß,daß die Franzosen bezüglich der Fortschritte in Viehzucht und Landbau gegenjene Deutschland's und Eng land's entschieden zurückblicben und dennoch wardiese Bodenbesreinng im Stande, sie bezüglich der Production überhaupt mitden genannten Ländern auf ziemlich gleiche Stufe zu stellen.

Die Franzosen selbst haben behauptet, daß vom Jahr 1815 bis zumJahr 1837 die Production in einem größern Verhältnisse als wie 1:2 fort-geschritten sei, in der Art also, daß das Gestimmt-Erzcugniß dieser Periodeauf das Doppelte stieg. Es würde, wenn diese Ansicht richtig wäre, wenigstensin Frankreich also die oben aufgestellte Behauptung von dem Zurückbleibenlandwirthschaftlicher Production gegen das Voraneilen der Population unrichtigsein. Wenn aber, wie amtliche Berichte sagen, die Population in Frankreichvon 1821 bis 1836 von 30,465,291 Individuen nur bis aus 33,540,918gestiegen ist und in neuester Zeit sich wirklich 36 Millionen entziffern, wieMontalembert sagt, so hat also in dieser Zeit die Population nur um 6 Mill.oder um i/; zugenommen, die Production aber um das Doppelte schon bisvor zehn Jahren (1837) so daß also die Konsumtion der Individuen auf'sEnormste gestiegen sein muß, denn in der That doppeltes Magen-Volumenmüßte sich bei den heutigen Franzosen finden, da sie erwiesenermaßen nichtallein keine Cereatien aus-, sondern umgekehrt mit wenigen Unterbrechungenimmer mehr und in stetig steigender Menge einführen. Von 1827 39führte Frankreich für 235 Millionen Franken mehr Getreide ein, als aus(siehe v. Gülich's tabellar. Uebersichten), und das Journal des Debats sagt,der Verbrauch an fremdem Getreide sei 1846 fast siebenmal stärker gewesen,als im Jahr 1845, das Doppelte von dem im Jahr 1844 und ungefähr dasFünffache der mittleren jährlichen Getreide-Einfuhren in 30 Jahren. DerKornausfall im Jahr 1846 betrage aber 10 bis 12 Mill. Hectolitcr.

Wir haben oben zwar der Segnungen der Bodcneutfesselung gedacht, abernicht beigesetzt das Uebel, das dort dabei mit unterlief und welches mit Rechtalle Staatsmänner ernstlichst beschäftigen sollte, nämlich die allzugrvße Zer-splitterung des ländlichen Grundbesitzes. Daß dadurch größere Unternehmungenzu Cultur-Verbesserungen unmöglich gemacht wurden, läßt sich denken. Dazunoch die Theilnahmslosigkeit des französischen Adels ächtgcrmanischcs Erb-stück! an landwirthschaftlicher Beschäftigung so mußten in der That jeneVortheile der Befreiung von gntoherrlichcn Lasten ziemlich verkürzt werden.Doch muß ein Unterschied hierin zwischen Nord- und Südfrankreich gemachtwerden, da in jenem neben hochentwickelten Manufacturen auch ein mehr voll-endeter Ackerbau sich festgestellt hat, was im agricolen Süden, der mehr derBaumfclderwirthschaft huldigt, nicht der Fall ist.

Das Vietivnnairo llu eommeroe gibt uns T. I. S. 37 nach Gülich III.S. 456 folgende Auseinandersetzung:

Großbritannienerzeugt auf 13 Millionen Hcctaren undbei einer ackerbautreibenden Bevölkerungvon 5,200,000 Seelen

Getreide Hectol. 56,000,000 .Pferde 170,000 .

Hornvieh 1,250,000 .

Schafe 10,200,000 .

Frankreich

producirt auf 40 Millionen Hectarenund bei einer ackerbautreibenden Be-völkerung von 22 bis 24 Millionen. . . 153,000,000,

. . . 40,000,

. . . 800,000,

. . . 5,200,000.