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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Neueste Geschichte.

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Woraus dann zur Genüge hervorgeht, wie viel noch den Franzosen an der in-tensiven Cultur der Engländer abgehe.

Aus dem bisher nun Vorgebrachten sollte meiner Meinung nach unschwergefolgert werden können, daß die stete Zunahme der Gctreidetheucrung seitmehr als 10 und 20 Jahren, zumal im Westen Europa's, in dem Satze ihreBegründung findet, daß die landwirthschaftliche Production mit der Populations-Zunahme nicht gleichen Schritt gehalten bat.

Ja, sagt man dagegen, sind denn die vielen Gemcindegründe, ehemaligeWaiden, durch ihren Anbau nicht ausgiebig genug in die Wagschale gefallen,war es unrichtig, wenn die Propheten des Fruchtwechsels behaupteten, durchseine Einführung und die bessere Bedüngung der Felder werde man in Zu-kunft aus der halben Arca nocb mehr bauen, als aus der ganzen, ist nicht "dieAushebung der Brache dem Cercalienbau mittelbar zu Stutzen gekommen oderward nicht durch Einschränkung der Waiden der Dünger und somit dieQuintessenz landbaulicher Triebkraft vermehrt? Waren denn die Fort-schritte der Naturwissenschaften überhaupt und jene der Chemie insbesondere,waren Samenbeize-Recepte und Patent-Düngerkram nicht im Stande, dazwei Aehrcn zu erzeugen, wo sonst nur eine wuchs? Oder ist an den hart-hörigen Landwirthen, die so gern am Alten kleben, alle Rede und Schriftessectlos vorübergegangen? Wir wollen diese Ein- und Vorwürfe prüfen.

Wir zweifeln nickt an der hohen Nützlichkeit der Aufhebung der Gemeinde-waiden und Gemeinheiten überhaupt, allein sie als vollen Nutzen ohne Abzugin s Manual landwirthschaftlichcn Haushaltes einzutragen, wird nur dann gehen,wenn erwiesen wäre, daß auch gar Nichts auf ihnen vorher gewachsen sei.Sicher aber hat der Kleebau und künstlicher Futtcrbau deßhalb am Meisten nochbesonders um sich gegriffen, als man die Gcmeinwaidc und nicht minder dieWaldwaide verlor. Was auf diesen beiden für den Landwirth vorher gewonnenward, muß jetzt durch künstlichen Futtcrbau ersetzt werden, entgeht somit demCerealien-Baue und ist nur insofern der Viehhaltung zu gut gekommen, als daskünstliche Futter mehr und besser ist, denn schlechtes Waide-Product. Sicherhat man in alter Zeit Schweine in Eichen- oder Buchenwäldern wohlfeiler gemästet,als jetzt im Stalle mit Milch, Kartoffeln, Gctreideschrot und Kleien!

Daß der Fruchtwechsel viele Vortheile brachte wo er nämlich eingeführtward, was, nebenbei gesagt, noch lange nicht so häufig ist, als man sonstmeint, stellen wir nicht in Abrede, daß man aber aus dem Felde, welchesden Cercalien verbleibt, wegen besserer Bedüngung das Doppelte gegen sonst,ernte, könnte nur wahr sein, wenn man nicht vordem Wiesen (und Waiden)gehabt hätte, mit deren Hilfe in noch weniger bevölkerten Epochen und beigrößerm Besitzstände man auch Futter und Dünger genug erzeugte, zumal dadamals nur selten noch die Waldstrcu nicht abgegeben ward. Zudem hat jadoch jede Vodenverbcffernug gewisse Grenzen und man kann doch nicht sagen,wie neuerlich Pctzholdt gethan hat, daß je mehr Dünger, um so größerdie Ernte sein wird und so in'ö Unendliche Blaue fort!

Weniger selten als den Fruchtwechsel bat man den Anbau der Brache und derFutterkräuter, zunächst den Rothklee, in Zug gebracht. Nothklee und Kar-toffeln! Darin liegen erweisbar die größten, ja die fast einzig erheblichenFortschritte unseres Landbaucs seit hundert Jahren. Freilich wenn der frühereDreifciderwirth in die sonst leere Brache Kartoffeln nimmt und alles klebrigebeim Alten bliebe was^abcr des schlechten Gedeihens der Winterfrncht-Cerealien halber nach Kartoffeln nickt sein darf dann wird ein schönes Plusvon Stärkmehl gegen sonst erhalten. Daß aber 35 Scheffel Kartoffeln per