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Die Landwirthschaft.
— die Ackerbaustaaten —, denen das förderlichste Mittel, ihrer ProducteWerth zu erhöhen — Fabriken und Manufakturen — fehlen? Seit dreiDeccnnien und hie und da von viel früher her noch hat die Agricultur-Gesetz-gebung, in Deutschland zumal, nur abwehrend und im Flickwerke sich zeitweisebemerklich gemacht, in der Hauptsache geschah vorwärts kein Schritt, wohl aberrückwärts mit Plan und Absicht gar Mancher. Nirgends wohl lastet so hartund unverantwortlich schädlich die Thorheit büreaukratischen Selbstgenügcns,als hier, wo oft lediglich Jurisprudenz das Schicdsrichteramt in Dingen übt,in denen sie nicht bloß gänzlich unwissend ist, — sondern die sie selbst höchlichverachtet. So erhebt sich Dünensand stolz am Strande und will dem MeereSchranken setzen, das ihn selbst doch erzeugte! Wird nicht die erste großeSturzwelle ihn von seiner Höhe spülen? Wird man noch lange zögern können,einen kräftigen und wohlhabenden Bauern- und Mittelstand zu erziehen^ — dieWurzel dauernder Staaten — oder will die Natur wirklich im neuen Erdtheileihren Plan wiederholt in Scene setzen: den Menschen zur höchsten gei-stigen und physischen Vollkommenheit zugleich zu bringen?Und verderben die Spieler ihr wieder das Stück, wo ist dann der Schauplatz,auf dem noch nicht ausgespielt ist? —
II.
Landwirth schriftliche Chemie.
Es ließ sich erwarten, daß die freilich noch sehr rohe, aber doch schon einResultat gewährende Methode des Abschlämmens der zu untersuchenden Boden-art, wie sie Thaer noch besonders in Ehren hält, den wissenschaftlichen Fort-schritten der Zeit nicht lange Genüge werde leisten können. Zwar stellte manauch zu Thaer's Zeiten schon genauere chemische Analysen auf (Davy, Einhof,Hermbstädt), aber ihre Resultate waren denn doch noch sehr einfach. SelbstEhaptal war noch 1820 zufrieden, in einem Boden der Tourainegröblichen Sand,kohlensaure Kalkerde,
Kieselerde undThonerde
nachgewiesen zu haben.
Die größten Fortschritte hierin haben wir offenbar dem so eifrigen Agri-kultur-Chemiker Carl Sprengel und zunächst, wie er selbst angibt, demgroßen Technologen und Analytiker Otto in Braunschweig zu verdanken.Wenn auch die jüngere chemische Schule und ihr Meister, Liebig, nicht zuge-stehen will, was die Arbeiten des Letztem ihnen genützt haben und daß sievielleicht die erste Anregung gaben zu den bekannten wissenschaftlichen Bocks-sprüngen derselben, so ist doch gewiß, daß weder von ihnen, noch von anderswo