Landwirthschastliche Chemie.
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her in der Hauptsache für Bodenanalyse seit Otto's Vorgang 1832 besondereund wesentliche Fortschritte oder auch nur Neuerungen gemacht wurden. Fre-senius selbst gesteht noch 1845 ein, daß er bezüglich der Bodenanalyseu dasMeiste Herrn Pros. Otto verdanke. Folgen auch wir den Angaben desselben.Mit Recht soll jeder chemischen Bodenanalyse eine Untersuchung der physika-lischen Eigenschaften der Bodenarten vorausgehen.
Diese physikalischen Eigenschaften sind 1) das specifische und absolute Ge-wicht der Bodenarten, sowohl im trockenen, wie nassen Zustande; 2) ihrewasscrfassende Kraft; 3) ihre wasscrhaltende Kraft; 4) ihre Kapillarität; 5) ihrVermögen, mehr oder weniger Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen; 6) Sauer-stoff aus der Luft zu absorbiren; 7) die Volumens-Minderung, die sie beimAustrocknen erleiden; 8> die Festigkeit und Consisienz derselben sowohl im nassen,wie im trockenen Zustande; 9) die Eigenschaft, sowohl durch das Sonnenlicht,als auch durch Befeuchtung und die Zersetzung der in ihnen befindlichen orga-nischen Reste erwärmt zu werden; 10) ihre wärmcanhaltende Kraft und 11) ihrpolarisch elektrisches Verhältniß, sowie ihre LcitungSfähigkcit der Elektricität.
Die wichtigsten von diesen sind vorerst die wasscrfassende Kraft, welche dieHumussäure nächst der Pulverformigen Talke rde am meisten besitzt; nachihr folgt der pulv eiförmige kohlensaure Kalk, dann Thon, Lehm undLetten. Auch ist es für die Vegetation von größter Wichtigkeit, wie langeeben ein Boden die aufgenommene Feuchtigkeit an sich halt, was wieder vonder Beschaffenheit des Untergrundes, der Krume, dem Grade der Erwärmungdurch die Sonne, vom Luftdrücke und von dem Grabe des Luftwechsels abhängt.
Auch hier hält Hnmussäure und pulverförmiger Kalk und Talk (der aberin diesem Zustande nur selten vorkommt!) die Feuchtigkeit am Längsten zurücknnd ihnen'folgen Thon, Lehm, Letten; am Schnellsten läßt seine Feuchtigkeitder Qnarzsand entweichen. Am meisten Feuchtigkeit zieht aus der Luft' derThonbode» an, zumal wenn er viel Humus enthält, da dieser überhauptam meisten Feuchtigkeit aus der Luft bindet, was wohl die Haupt-seite seiner Wirksamkeit ist. Der Gyps zieht fast gar kein Wasser aus derLuft an.
Sauerstoff wird vor Allem von den bindenden Böden absorbirt, die sichauch beim Austrocknen am Meisten zusammenziehen, Risse bilden und in Knollenzusammenkleben, auch die bedeutendste Cohäsion nnd Adhäsion zeigen, sich aberam Wenigsten schnell erwärmen, die einmal erhaltene Wärme aber auch nur sehrlangsam wieder abgeben. Sandboden und namentlich Kalksand erhitzt sich amSchnellsten.
Wenn man auch gerade nicht der Licbig'schen Theorie von der Wirkungder organischen, löslichen Verbindungen im Boden huldigt, so ist doch gewißund seit lange bekannt, daß solche unorganische Stoffe zum Theil selbst für dieExistenz gewisser Pflanzenartcn, jedoch mit Zugabe ihrer Fähigkeit, für einanderin einem gewissen Maße zu vicarireu, absolut nöthig, jedenfalls aber gar oftfür ihr Gedeihen sehr förderlich sind und somit als Dünger-Materialien wirken.Auch noch der Einfluß, den ihre chemische Zersetzung auf die physikalischenEigenschaften der Bodenarten übt, macht es Behufs rationeller Erklärung nöthig,durch chemische Analysen die näheren, entfernteren und entferntesten Bodenbe-ftandtheile zu erforschen.
In früherer Zeit galt allgemein das namentlich durch Thaer sehr empfoh-lene Abschlämmen, wodurch man allerdings ein für den gewöhnlichen Landwirthschon sehr brauchbares Resultat erhielt. Dieses Verfahren gründet sich lediglichauf die Uulöslichkeit und Schwere des Sandes, der im Wasser vertheilt sehr